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Auf nach Norwegen

Von Kallsedet fahren wir auf einer unbefestigten Straße, ca. 40 km, über einen unbewachten Grenzübergang nach Norwegen. An der Grenze ändert sich der Straßenbelag, ab hier gibt es wieder eine asphaltierte Straße mit Mittelstreifen. Der norwegische Zoll kümmert sich um diesen Grenzübergang nur hin und wieder.

Unser Ziel an diesem Tag ist Trondheim. Auf einem Campingplatz in der Nähe dieser Stadt stellen wir Auto und Wohnwagen im Regen ab. Morgen geht es mit dem Bus ins Zentrum.

Am nächsten Morgen stellen wir fest, daß wir an der Rezeption keine Euros in Norwegische Kronen tauschen können, und der nächste Geldautomat vor der Abfahrt des Buses nicht mehr erreicht werden kann. In der Hoffnung, dieses Problem dann eben im Bus lösen zu können, steigen wir ein. Aber leider nimmt der Busfahrer keine Euros an und entschuldigt sich, dass wir nicht mit Kreditkarte zahlen können. Trotzdem nimmt er uns mit.

Im Zentrum angekommen, fallen uns amerikanische Oldtimer auf, die auf dem Marktplatz unter der Statue des Wikingerkönigs Olav-Tryggvason zur Schau gestellt werden. Die Besitzer sind entsprechend dem Alter des Fahrzeugs gekleidet. Sie unterhalten sich mit Kollegen und Passanten, während sich die Frauen im nahegelegenen Einkaufszentrum Byhaven amüsieren. Gerne posieren sie in ihrem Pettycoat für ein Foto.

Unweit davon befindet sich die königliche Residenz. Mit ihren 140 Zimmern ist sie der grösste Holzpalast Nordeuropas, der im 18. Jahrhundert erbaut wurde.

Der Nidarosdom, der auf dem Grabe Olav’s erbaut wurde, ist die weltweit nördlichste gotische Kathedrale. Bereits 1070 wurde der Bau begonnen, beendet aber erst um 1300. Der Wikingerkönig Olav gilt als Stadtgründer und weil er ebenfalls das Christentum nach Norwegen gebracht haben soll, wurde er heilig gesprochen.

Zu Mittag essen wir in der alten Fischhalle Ravnkloa. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts werden dort Fische und Meeresfrüchte zum Kauf angeboten. Sie wird heute von nur noch einem Händler betrieben, der in seinem Mittagsrestaurant Fischgerichte auf der Speisekarte hat. Dazu bietet er auch frisch gezapftes Bier an. Das Essen ist schnell ausgewählt und Anita freut sich auf ein grosses Glas Bier. Das Bier schmeckt sehr gut, aber 10 € für eine Halbe ist ein stolzer Preis.

Über die alte Stadtbrücke führt uns der Weg zu den Lagerhäusern. 1681 wurde hier die erste Brücke gebaut. Das alte Wach- und Zollhaus an der Westseite steht noch. Die jetzige Brücke stammt aus dem 19. Jahrhundert.

In der Kaffeebar Dromedar trinken wir noch einen Kaffee. Die Bar ist die führende Kaffeebar Norweges und wurde schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. „Jede einzelne Tasse wird mit Liebe zubereitet“, aber die Auswahl fällt schwer.

Vorbei an den alten Lagerhäusern lassen wir uns noch etwas durch die Gassen treiben. Bei der Rückfahrt mit dem Bus sind wir über den Fahrpreis überrascht. Das Ticket kostet über 10 €.

Im Fjäll

Unsere letzte Station in Schweden ist der Campingplatz bei Kallsedet. Er wirbt damit, die letzte Tankstelle vor der norwegischen Grenze zu sein. Die Tankstelle ist jedoch nur ein großes Faß Diesel mit einem Zapfhahn vor dem Haus. Ein kleiner Laden und ein Vandrahem runden den Ort ab. Umringt von Seen weitab von der Zivilisation.

Beim Geschirrspülen erklären wir einer schweizerischen Familie unsere Art zu leben, keine Wohnung, nur noch reisen mit dem Wohnwagen. Der Kommentar der Frau, ihr seid doch Zigeuner.

Eines Nachts durchfurchen Blitze den Himmel über den Seen. Aber es bleibt beim Wetterleuchten. Am nächsten Tag wechseln sich Regen und Sonne ab und lassen vollständige Regenbogen erscheinen.

Kallsedet

Drei Wasserfälle besichtigen wir an einem Tag. Dabei wird uns klar, weshalb wir keine Elche sehen. Ist doch eine ganze Hauswand zugepflastert mit den imposantesten Geweihen. Die stolzen Träger dieser Trophäen bekommt keiner mehr zu sehen.

Von der Straße aus sehen wir die eisigen Berge Norwegens. Auf einer Wiese vor diesem stattlichen Panorama schreiten Kraniche auf der Suche nach Nahrung auf und ab.

Kallsedet

Bei schönem Wetter beschliessen wir, auf den Suljätten zu wandern. Typisch schwedisch verläuft der Weg, tiefere Pfützen müssen umgangen werden. Andere sind mit Balken überbrückt. Nasse Schuhe bekommt man trotzdem. Der Weg ist auch nicht immer erkennbar und wird zunehmend schwieriger. Ohne den Gipfel zu erreichen, kehren wir um. Wir wollen noch rechtzeitig zu unserem Auto zurückkehren.

Suljätten

Bevor wir unsere Reise nach Norwegen fortsetzen, geniessen wir hier nochmal die Ruhe und schöpfen Kraft für neue Erlebnisse.

Vier Jahre Leben auf Achse

Es war klar, mit Beginn unseres Rentnerdaseins werden wir etwas ganz anderes tun. Eine Reise durch Spanien machen zu können, das haben wir uns schon länger gewünscht. Die Voraussetzung dafür aber war die Aufgabe unserer großen Wohnung. Drei Monate waren für die Auflösung vorgesehen. Im elterlichen Haus finden wir eine neue Bleibe, aber hauptsächlich leben und reisen wir seitdem in unserem Wohnwagen. Inzwischen sind wir in das Haus eines Freundes umgezogen.

Bevor wir aber wie Landstreicher oder Vagabunden durch Europa ziehen, lassen wir uns noch von unserer Friseurin Haar- und Bartschnitt mit einem elektrischen Schneidegerät zeigen. Zum Glück, denn sprachliche Barrieren oder modische Eigenheiten einiger Friseurgeschäfte machen den partnerschaftlichen Haarschnitt notwendig. Und bei einer Fete mit Spanferkel und Lamm vom Grill nehmen wir Abschied von unseren Freunden.

Der herannahende Sommer, der in Spanien ziemlich heiß werden kann und auf jeden Fall viele Sommerurlauber anlockt, hat uns zu einem „kleinen“ Umweg veranlasst. Über das Baltikum führt uns der Weg nach Finnland, hoch bis über den Polarkreis. Von hier aus machen wir einen kurzen Abstecher ohne Wohnwagen zum Nordkap. Wie versprochen hissen wir dort die DGB-Fahne.

Schweden erreichen wir über den Romanjeki. Vor hundert Jahren überquerte ein gewisser Lenin auf seiner Eisenbahnfahrt nach Rußland diesen Fluß im Winter mit Schlitten in entgegengesetzter Richtung.

Nach ein paar Tagen an der schwedischen Riviera und im Fjäll geht es über einen unbewachten Grenzübergang nach Norwegen. Der Scheitelpunkt dieser Reise ist jetzt erreicht.

Trondheim und die Trollstiegen, der Geiranger Fjord und Bergen sind Stationen auf der Fahrt durch Norwegen. Über die Hardanger Vidda fahren wir zur Fähre nach Oslo, die uns nach Dänemark bringt.

Der letzte Halt auf der Reise durch den Norden ist Braestrup und der Besuch eines Mittelaltermarkts in Horsens.

In St. Peter-Ording wollen wir nochmal in der Nordsee baden. Nicht ganz einfach, denn selbst bei Flut ist das Meer hinter dem Campingplatz nur kniehoch.

Strand in SPO

Nach kurzem Aufenthalt in unserer alten Heimat und im Schwarzwald geht endlich die Reise nach Spanien los. Kleine Verschnaufpausen gönnen wir uns in Frankreich in Besancon, in Argentat an der Dordogne und in Bordeaux.

Über San Sebastian, Pamplona, Zaragoza und Valencia erreichen wir im November unser Traumziel und Winterquartier El Portus in der Nähe von Cartagena. Mit den Worten „Willkommen im Paradies“ werden wir am Eingang begrüßt.

Seither haben wir mehrfach den Süden Spaniens und auch Portugal bereist. Die Reise durch Spaniens Norden ist uns bisher leider verwehrt worden. Auch wir mussten Corona unseren Tribut zollen. Den kalten, langen und schneereichen Winter haben wir in Deutschland verbracht.

Ursprünglich wollten wir nur 1 bis 2 Jahre im Wohnwagen verbringen. Inzwischen sind es mehr als 4 Jahre und noch weitere werden folgen. Natürlich ist das Leben im Wohnwagen eine Herausforderung, die Enge erfordert Geduld und Respekt. Tägliche Arbeiten müssen konsequenter erledigt werden. Von Beziehungskrisen haben wir uns verschont.

Lebensbedrohliche Situationen im Straßenverkehr oder durch Kriminalität haben wir nicht erlebt, trotzdem ist das Leben „auf Achse“ immer ein Abenteuer. Täglich muß man sich auf neue, unerwartete Situationen einstellen können. So haben wir in Bergen keine Fähre nach Dänemark buchen können und in Portugal mussten wir uns mit dem Streik der Busfahrer und der Gefahrguttransporteure zurechtfinden. Kraftstoffe wurden knapp.

Viele nette Menschen haben wir auf unserer Reise kennengelernt. Ob mit Norwegern am Lagerfeuer in Schweden oder beim Tangotanzen im Baltikum und in Skandinavien. Und natürlich auch in El Portus beim internationalen Picknick, zu dem jeder mit einem typischen Essen aus seiner Heimat beitrug. Eine schöne Erinnerung an die Tatsache: jeder ist Ausländer, fast überall.

Beschämend für uns ist, in fast jedem Land, das wir bereisten, wurden wir mit den Greueltaten der faschistischen deutschen Wehrmacht und der SS konfrontiert. Diese schrecklichen Verbrechen im Zeichen des Hakenkreuzes dürfen nicht vergessen werden.

Für uns ist klar, NIE WIEDER FASCHISMUS, NIE WIEDER KRIEG

Castellano a segundo visto

Spanisch auf den zweiten Blick

Spanisch ist eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Mit ihren Eigenheiten wollen wir uns beschäftigen. Was ist der Hintergrund, wenn einem etwas spanisch vorkommt. Diese Frage wollen wir sprachlich etwas näher betrachten und Vokabeln auf ihre Bedeutung und ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

Beginnen wir mit so einfachen Wörtern (Palabras) wie:

La Plancha  =  der Grill ?  Weit gefehlt, la plancha ist das Bügeleisen

A la Plancha … also … vom Bügeleisen, was denn sonst !?!

Carniceria autoservicio , … da kann man bei der Metzgerei lange nach der angegliederten Autowerkstatt suchen. Autoservicio heißt schlicht ….Selbstbedienung.

Noch etwas kulinarisches:

Conejo de Indias  =  indianische Zubereitung eines Kaninchens ??   Guten Appetit,  conejo de indias … ist das … Meerschweinchen.

Allgemein geht es weiter:

La Milonga  =  Volkstanz, Tanzveranstaltung, Ball ?   auf spanisch: … Lüge, Schwindel, auch Ente: die bleierne…!!

La Pluma  =  die Blume?, … leider nicht :  die Feder …  und auch der Füller.

El Matafuego  =  der Feuertöter oder gar Feuerschlucker ? …. Fast richtig: …. der Feuerlöscher.

curioso/a  =  kurios, schräg, ungewöhnlich, absonderlich ? … Nein, nur neugierig … wie die Glühwürmchen im Tango   El dia que me quieras  von C. Gardel:  Las luciérnagas curiosas…“!

El Éxito  =  der Tod ?  Im Gegenteil … Erfolg !!!

ocultas/os  =  hat nichts mit Tischrücken oder Geisterbeschwörung zu tun, bedeutet nur …. versteckt.

dar en el blanco  =  tja, in Spanien trifft man in’s Weisse und nicht in’s Schwarze.

Los Mozzos  =  Kellner, die in der Fiesta de San Fermin in Pamplona vor den Stieren rennen ??

cambiar de Sentido  =  Den Sinn, die Meinung wechseln ? … Nein, nur die (Fahrt-)Richtung.

So, und jetzt zu nicht mehr jugendfreien Wörtern (obsceno, picante). Eine kleine Auswahl, nicht in Gegenwart von Kindern lesen !!

una Cola  =  Vorsicht, wer als Frau in einer Bar mit dieser Vokabel eine Coca-Cola bestellt, wird begierige Blicke und aufreizendes Lächeln auslösen. Ist doch  la cola  der Schwanz !!

La Concha  =  die Muschel,  harmlos ??  Aber auch die Bezeichnung für ein weibliches Körperteil.

coger  =  wird in Spanien unbedarft für trinken, nehmen (auch den Zug oder Einkaufswagen) u.ä. verwendet.

In Lateinamerika hingegen erntet man so Lachen oder Bestürzung, beschreibt doch dieses Wort vulgär eine intime zwischenmenschliche körperliche Aktivität.

Soweit erstmal, die Reihe wird fortgesetzt.

Wer die Interpretationen für weit hergeholt oder gar für falsch hält, kann bei Leo und im PONS, Basiswörterbuch Spanisch, 1. überarbeitete Ausgabe 2006, nachschlagen.

 

Zum Schluss noch eine Quizfrage:  Wie heisst    dr Muggabadschr (süddeutsch) auf spanisch ??

Die Antwort in der nächsten Folge!!

Nein, doch hier:  dr Muggabadschr  =  sacsomataM le

 

Boviksbadet an der „nordischen Riviera“

Der Campingplatz in Boviksbadet, direkt an der Ostsee, lockt uns.  Wollen wir doch endlich wieder einmal im Meer baden. Wir ergattern einen Stellplatz in unverbaubarer Halbhöhenlage mit Blick auf die See. Obwohl die Ostsee sehr flach ist geniessen wir das Baden im 18° C warmen Wasser.

Unser Nachbar, ein Dauercamper, ist sehr interessiert an uns. Er ist zwar sehr  beschäftigt an seinem Wohnwagen, aber auf ein Schnäpschen kommt er gern zu uns. Die Unterhaltung ist etwas schwierig, da er nicht englisch und wir nicht schwedisch sprechen.

Ein kleiner Spaziergang am Ufer des Meeres führt uns an einem Lagerfeuer vorbei. Die Gruppe aus Norwegen fordert uns auf, bei ihnen Platz zu nehmen. Gerne nehmen wir die Einladung an. Bis spät in die Nacht sitzen wir zusammen und tauschen unsere Erlebnisse aus. Sie verbringen hier an der „warmen Ostsee“  ihren Sommerurlaub.

Boviksbadet

Am Wochende tritt eine Coverband am Kiosk des Campingplatzes auf. Schwedische Besucher reisen mit amerikanischen Schlitten an. Die Band nennt sich Mucho Mojo und es fliesst auch mucho Alkohol. Zum Glück haben die schwedischen Freunde ihre Fahrer, die nüchtern bleiben.

 

Angeln im Byskeälven

Im  Touristbüro in Skelleftea, der nächstgelegenen Stadt, finden wir eine Broschüre, die das Angeln auf Lachse im nahe gelegenen Byskeälven beschreibt. Der Byskefluss ist in dieser Gegend ein bekannter Lachsfluss. Eine Angelerlaubnis sei im Campingplatz am Fluss erhältlich. Natürlich fahren wir hin. Die Broschüre ist leider nicht aktuell. Die Erlaubnis muss man jetzt im Sportgeschäft kaufen. Es ist Samstagmittag und der Laden hat bereits geschlossen.

Am Montag verkauft mir die Besitzerin gerne eine Angelkarte. Ihr Mann weist mich daraufhin, dass die Saison zwischen Mai und Juni ist. Die Chancen seien jetzt, Ende Juli, sehr gering einen kapitalen Lachs zu fangen. Trotzdem will ich mein Glück versuchen. Er hat recht, obwohl ich es an mehreren Stellen versuche, gehe ich ohne Biss zurück zum Campingplatz.

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Milonga unter der Mitternachtssonne in Helsinki

In Helsinki befindet sich unser Tanzplatz im 8. Stock eines Hochhauses: „Milonga del Jueves“ in El Atico, der Tanzschule für argentinischen Tango. Obwohl es schon spät ist, ist es noch taghell. Die Sonne geht bis zum Schluss nicht unter. Vorhänge dämpfen die Sonnenstrahlen.

Tango in HelsinkiDas Publikum ist gemischt, nur ein Paar ist in unserem Alter. Die Aufforderung zum Tanz erfolgt durch „cabezeo“, Kopfnicken. Aber nicht nur Männer sondern auch Frauen fordern auf. Durchweg gute Tänzer*innen, aber keine Perfektionisten. Frauen in Halbschuhen tanzen mit Frauen, lassen sich aber auch von Männern auffordern.

Zur Erfrischung gibt es Tee und Wasser, kein Wein oder Bier. Auch nicht selbst mitgebracht.

Tango in HelsinkiWir werden als Tänzer akzeptiert aber nicht besonders beachtet. Es kommt anscheinend öfter vor, dass Unbekannte zum Tanzen kommen.

Camping in El Portús & Corona, Chronologie der Ereignisse

Nach 4 Monaten im Winterquartier in El Portùs wird es Zeit, unsere Zelte abzubrechen und neue Ziele anzusteuern. Das Tangofestival vom 17. bis 22. März in Granada wollen wir besuchen. In La Zubia haben wir uns deshalb bereits einen Stellplatz für 9 Tage reserviert und die Anzahlung geleistet. Zu der Zeit toben die Coronaviren bereits heftig in Madrid. Die Region Murcia und auch der Bezirk Granada sind, warum auch immer, von der Corona-Pandemie bisher verschont. So ändert sich dies jetzt plötzlich. Am Wochenende 7./8. März tritt der 1. Fall in Murcia auf. Um eine Ansteckung zu vermeiden, nehmen wir dieses Jahr an der Manifestacion zum Internationalen Frauentag nicht teil. Kritisch betrachten wir im Newsletter der Tageszeitung La Verdad de Murcia und RTVE die weitere Entwicklung der Erkrankungen in unserer Nähe.

Obwohl wir am Mittwoch 11.3. früher aufgestanden sind, beschliessen wir, unsere Reisevorbereitungen abzubrechen und das Vorzelt stehen zu lassen. Den Aufenthalt in Granada sagen wir schriftlich ab, weil uns der Campingplatz hier sicherer erscheint. Am selben Tag erhalten wir die Bestätigung der Absage und grosszügig unsere Anzahlung zurück.

Auf unserem Platz reisen die ersten Camper ab. Die Gerüchteküche kocht über. Was passiert mit denen, die gerne noch länger bleiben wollen?

In den Nachrichten wird eine Erklärung der spanischen Regierung angekündigt. Es wird der Alarmzustand des Staates, eine Vorstufe des Notstandes, ausgerufen. Er gilt ab Montag, 16.3. bis 29.3.2020. In Cartagena und Umgebung sind bereits ab Freitag, 13.3. alle Restaurants und Bars geschlossen. Veranstaltungen werden in ganz Spanien abgesagt, sogar die Prozessionen in der Semana Santa, Karwoche. Bis auf Lebensmittelgeschäfte, Apotheken bleiben fast alle anderen Läden geschlossen.

Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen am Samstag noch einmal groß ein. Zum Glück sind die Geschäfte für Telekommunikation nicht von der Schliessung betroffen und so können wir unseren mobilen Router noch einmal aufladen. Im Supermarkt hamstern auch wir eingeschweisstes Frischfleisch, Konserven und frisches Gemüse. Dabei stellen wir fest, dass die Kühlregale der Metzgerei-Abteilung leer gekauft sind. Vor der Frischfleischtheke bewegt sich nur langsam eine Schlange Wartender, die lautstark die richtige Reihenfolge verteidigen. Nur wenige Einkaufswagen tragen „Hamster“-Merkmale.

Am Montag 16.3. sehen wir, dass der Zugang zu einem Dauercamper-Platz mit einem blau-weissen Absperrband der lokalen Polizei markiert ist. Trotz unserer Anfrage gibt die Rezeption des Campings keine Stellungnahme ab. Nach 2 Tagen ist das Band entfernt.

Gravierende Veränderungen treten ein. Der Kinderspielplatz, das Petanque-Feld und der Zugang zum Strand werden gesperrt. Ein Sanitärgebäude wird „für Renovierungsarbeiten“ geschlossen. Das Radioprogramm unseres öffentlich-rechtlichen Senders, Radio tres, ändert sich radikal. Keine Redebeiträge, nur noch ungewohnte Musik schallt aus dem Kofferradio.

Nach Rücksprache mit unserem Vereinsvorsitzenden können wir unseren Wohnwagen jederzeit auf unserem Stellplatz in Baden-Württemberg abstellen und dort wohnen. Trotzdem warten wir noch ab.

Mit Schreiben vom 19.3. teilt die Direktion des Campingplatzes mit, dass der Campingplatz und 2 Sanitär-Anlagen geöffnet bleiben, es sei denn, dass durch eine behördliche Anordnung die Schliessung erforderlich wird. Falls die Waschräume geschlossen werden müssen, dürfen nur noch die Gäste bleiben, die über vollständige sanitäre Einrichtungen (Waschbecken, WC und Dusche) im Wohnwagen/Wohnmobil verfügen. Personen, die mit dem Flugzeug in Ihre Heimatländer zurückkehren wollen, können das Fahrzeug ohne weitere Gebühr auf der Parzelle stehen lassen. Gleichzeitig werden für den Zeitraum des Alarmzustandes sehr günstige Übernachtungen in Mobilheimen angeboten.

Um dem befürchteten Ansturm zuvorzukommen reservieren wir noch am selben Tag telefonisch ein Mobilheim Modell A. Bei Abholung des Schlüssels bekommen wir eine Aufenthaltskarte ausgehändigt. Und ein weiteres Schreiben, in dem mitgeteilt wird, dass die Sanitäreinrichtungen am selben Tag ab 21 Uhr geschlossen werden. Nur der Zugang zu den Waschmaschinen ist weiterhin möglich. Unsere Freunde Maik und Ellen reisen spontan ab. Jeden Abend teilen sie uns telefonisch ihr Weiterkommen mit.

Ausgangssperre

Die Abreisewelle erreicht ihren Höhepunkt. Unser holländischer Nachbar Willem ist verärgert, hat er doch erst vor wenigen Tagen die Jahresgebühr für seinen Stellplatz bezahlt. Seine geplanten Flüge nach Holland wurden gecancelt. So bleibt ihm und seiner Frau nur die Rückkehr in ihrem Kleinwagen.

In einer weiteren Verordnung der spanischen Regierung wird die Schliessung aller Campingplätze und Hotels innerhalb einer Woche angekündigt. So die Mitteilung bei RTVE. Im Originaltext können wir aber nachlesen, dass Langzeit- oder Saisonaufenthalte in Einrichtungen mit eigenen sanitären Anlagen weiterhin möglich sind.

Das angemietete Mobilheim ist für uns zu klein. Auch wir beschliessen nun nach Hause zu fahren. Trotz Regen räumen wir das Vorzelt aus, schlagen es am nächsten Tag ab und packen das Auto. Nach getaner Arbeit lesen wir unsere eingegangenen E-Mails. Der Vorstand unseres Campingplatzvereins teilt in einem Rundschreiben mit, dass die baden-württembergische Landesregierung verfügt hat, dass ab sofort bis zum 19.4. alle öffentlichen und ebenso alle privaten Campingplätze geschlossen bleiben müssen. Nun können wir nicht mehr nach Hause. Jetzt sind wir Gefangene der Schlucht.

In der Rezeption erkundigen wir uns nach einem grösseren Bungalow. Es gibt noch freie Objekte und wir ziehen nach vorheriger Besichtigung um. Der neue Bungalow bietet mehr Platz. So können wir es aushalten. In Spanien wird nun die Ausgangssperre bis 11.4. verlängert.

Mittlerweile verwandelt sich das Restaurant in einen Supermarkt. Frische Speisen werden auf Bestellung zum Mitnehmen zubereitet. Um das Risiko einer Ansteckung der verbliebenen Gäste und Dauercamper zu verringern, wird ein Einkaufservice angeboten.

Wir machen von den Angeboten gebrauch. Seit über 3 Wochen haben wir den Campingplatz nicht mehr verlassen. Wir halten Abstand und fühlen uns sicher. Sind wir doch noch immer in einer Region, die im Vergleich sehr geringe Fallzahlen ausweist. Wir hoffen, bis zum Ende des Alarmzustandes hier bleiben zu können. Wir halten uns an die Aufforderungen unseres Radiosenders und des spanischen Fernsehens: Quedate en casa, bleib zuhause!

Nach neuesten Informationen denkt die spanische Regierung über die Verlängerung der Ausgangssperre bis zum 26.4. nach, aber was kann schöner sein als Ausgangssperre in EL PARAÍSO.

Haparanda, Stadt der Träumer

Unser Weg führt uns weiter nach Haparanda. Aber der Wohnwagen steht im nächstgelegenen Campingplatz in Kukkolaforsen am Romanjeki. Eine alte Fischerstadt, in der man nach alter Tradition mit einem langstieligen Kescher fischt. Jetzt ist Saison, die Fische ziehen zum Laichen in die Quellgebiete des Flusses.

Im nahegelegenen Museumsdorf wird gezeigt, wie die Wasserkraft zum Antrieb von Holzbearbeitungsmaschinen und Getreidemühle benutzt wurde. Das historische Rathaus mit der Uhr, die mit Glockenschlägen die Zeit in der gefischt werden durfte, bestimmte.

In dem Roman Heimatmuseum von Siegfried Lenz träumen die Hauptfiguren von Haparanda, als Ziel ihrer Flucht vor dem beginnenden Faschismus in Ostpreussen. An der Grenze zwischen Schweden und Finnland gelegen, erhoffen sie sich eine neue Zukunft und Heimat zu finden. Letztendlich hatten sie jedoch nicht den Mut ihre alte Heimat zu verlassen.

Thomas Cook behauptete, dass man im Leben mindestens die Städte Timbuktu, Samarkant und Haparanda besuchen müsste.

Dies sind die Gründe warum auch wir den Weg nach Haparanda nehmen. Was für eine Enttäuschung. Anstatt des blühenden Lebens und kultureller Sehenswürdigkeiten zeigt sich für uns die Tristess einer verschlafenen Kleinstadt. Leere Strassen, ein leeres Restaurant und verlassene Bänke im Cafe am Flussufer.

Was für ein Unterschied zu Tornio, der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite des Romanjeki. Gartenwirtschaften und Einkaufszentren mit geschäftigen Passanten prägen das Flair dieser finnischen Stadt.

Als Lenin im Frühjahr 1917 mit Schlitten den noch gefrorenen Fluss überquerte, begann hier das russische Zarenreich. Wegen unterschiedlicher Spurweiten musste er hier auf seinem Weg nach St. Petersburg den Zug wechseln. Ein gefährliches Unternehmen, aufgrund des brüchigen Eises und der Angst vom russischen Grenzposten zurückgewiesen, oder gar verhaftet zu werden.

Im Bahnhof von Tornio soll eine Plakette heute noch auf dieses historische Ereignis hinweisen. Leider können wir den Bahnhof während unseres kurzen Aufenthaltes nicht finden.

Auf welche Erlebnisse muss man sich gefasst machen, wenn man Timbuktu und Samarkant bereist?