Lascaux, die Sixtinische Kapelle der Vorgeschichte

Die Höhle von Lascaux wurde im Jahr 1940 entdeckt, was trotz des Krieges für großes Aufsehen sorgte. Die Höhle zeigt 1.963  Darstellungen, davon 915 Tiere, 434 Zeichen, 613 undefinierte Motive und eine Menschenfigur. Das entspricht einem Siebtel aller bekannten Höhlendarstellungen in Frankreich.

Lascaux

Die Künstler wollten wohl die gesamte verfügbare Fläche bis in alle Winkel nutzen. Diese Eigenart, die auch in der großen Zahl und der Qualität der Objekte zum Ausdruck kommt, spricht für die Absicht, den Ort zu einer Kultstätte zu machen.

Die kontrastreiche Beschaffenheit der Höhlenwände und Decken, erfordert den Einsatz sehr unterschiedlicher graphischer Techniken. Der Einfallsreichtum der Maler  ist verblüffend, z.B. wenn sie durch Einbeziehung natürlicher Felsvorsprünge eine 3. Dimension erzeugen oder Gliedmaßen durch eine Aussparungstechnik darstellen. Und durch absichtliche Verzerrung eines Bildes gelingt es ihnen sogar, den Eindruck von Tiefe zu vermitteln.

Lascaux

Verschiedene Tierdarstellungen sind mit jahreszeitlichen Merkmalen abgebildet. Pferde im Winterfell, der Ur (-Ochse) im Sommer und der Hirsch im Herbstkleid. Hier wird zweifellos auf den biologischen Zyklus der dargestellten Tiere, genauer gesagt auf die Zeit vor der Fortpflanzung Bezug genommen. Dies unterstreicht die Wichtigkeit dieser Kultstätte, die – vielleicht nur während einer Generation – 18.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zum Schauplatz künstlerischen Schaffens wurde.

LascauxLascaux

 

 

 

 

Während des 2. Weltkrieges wurde die Höhle von Lascaux  von der Resistance als Unterschlupf und Waffenlager benutzt, wie Martin Walker in seinem Roman beschreibt. Die ersten Touristen besichtigten 1948 Lascaux. Im Laufe der Jahre bildeten sich aufgrund der hohen Besucherzahlen und der Beleuchtung Algen und andere Ablagerungen. Die Höhle wurde deshalb 1963 für die Öffentlichkeit gesperrt. Unweit der Grotte wurde 1983 die Kopie „Lascaux II“ eröffnet, die den Besuchern einen guten Eindruck von den wichtigsten Felsbildern vermitteln soll.

Auch in den französischen Herbstferien ist die Höhle sehr gut besucht, wir sind überrascht wieviele Leute diese Malereien der Frühgeschichte sehen wollen. Besuchergruppen werden in 15-Minuten-Abständen durch die Nachbildung der Höhle geführt. Zeit für Fotos gibt es im Ausstellungsraum, in dem die schönsten Darstellungen nochmals in ihrer authentischen Form abgebildet sind.

Lascaux

Neben der berühmten Höhle von Lascaux bereichern etliche weitere Fundstätten im Tal der Vézère unser Wissen über die entfernte Vergangenheit, das im Musée National de Préhistoire in Les Eyzies vertieft wird. Der Standort war besonders vorteilhaft, denn neben günstigen Klimabedingungen bot er zahlreiche Höhlen und natürliche Zufluchtsorte am Fuße hoher Kalksteinfelsen. Mitten in der Eiszeit war das Tal nie eine Eiswüste. Auf einem schmalen Streifen Grünland fanden die Cro-Magnon-Menschen Wild, Fisch, Brennholz und den Feuerstein zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen. Das Tal der Vézère trägt zurecht den Namen Vallée de l’Homme (Tal des Menschen), wie in der entsprechenden Broschüre von Éditions du Patrimoine nachzulesen ist.

 

 

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