Castellano a segundo visto

Spanisch auf den zweiten Blick

Spanisch ist eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Mit ihren Eigenheiten wollen wir uns beschäftigen. Was ist der Hintergrund, wenn einem etwas spanisch vorkommt. Diese Frage wollen wir sprachlich etwas näher betrachten und Vokabeln auf ihre Bedeutung und ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

Beginnen wir mit so einfachen Wörtern (Palabras) wie:

La Plancha  =  der Grill ?  Weit gefehlt, la plancha ist das Bügeleisen

A la Plancha … also … vom Bügeleisen, was denn sonst !?!

Carniceria autoservicio , … da kann man bei der Metzgerei lange nach der angegliederten Autowerkstatt suchen. Autoservicio heißt schlicht ….Selbstbedienung.

Noch etwas kulinarisches:

Conejo de Indias  =  indianische Zubereitung eines Kaninchens ??   Guten Appetit,  conejo de indias … ist das … Meerschweinchen.

Allgemein geht es weiter:

La Milonga  =  Volkstanz, Tanzveranstaltung, Ball ?   auf spanisch: … Lüge, Schwindel, auch Ente: die bleierne…!!

La Pluma  =  die Blume?, … leider nicht :  die Feder …  und auch der Füller.

El Matafuego  =  der Feuertöter oder gar Feuerschlucker ? …. Fast richtig: …. der Feuerlöscher.

curioso/a  =  kurios, schräg, ungewöhnlich, absonderlich ? … Nein, nur neugierig … wie die Glühwürmchen im Tango   El dia que me quieras  von C. Gardel:  Las luciérnagas curiosas…“!

El Éxito  =  der Tod ?  Im Gegenteil … Erfolg !!!

ocultas/os  =  hat nichts mit Tischrücken oder Geisterbeschwörung zu tun, bedeutet nur …. versteckt.

dar en el blanco  =  tja, in Spanien trifft man in’s Weisse und nicht in’s Schwarze.

Los Mozzos  =  Kellner, die in der Fiesta de San Fermin in Pamplona vor den Stieren rennen ??

cambiar de Sentido  =  Den Sinn, die Meinung wechseln ? … Nein, nur die (Fahrt-)Richtung.

So, und jetzt zu nicht mehr jugendfreien Wörtern (obsceno, picante). Eine kleine Auswahl, nicht in Gegenwart von Kindern lesen !!

una Cola  =  Vorsicht, wer als Frau in einer Bar mit dieser Vokabel eine Coca-Cola bestellt, wird begierige Blicke und aufreizendes Lächeln auslösen. Ist doch  la cola  der Schwanz !!

La Concha  =  die Muschel,  harmlos ??  Aber auch die Bezeichnung für ein weibliches Körperteil.

coger  =  wird in Spanien unbedarft für trinken, nehmen (auch den Zug oder Einkaufswagen) u.ä. verwendet.

In Lateinamerika hingegen erntet man so Lachen oder Bestürzung, beschreibt doch dieses Wort vulgär eine intime zwischenmenschliche körperliche Aktivität.

Soweit erstmal, die Reihe wird fortgesetzt.

Wer die Interpretationen für weit hergeholt oder gar für falsch hält, kann bei Leo und im PONS, Basiswörterbuch Spanisch, 1. überarbeitete Ausgabe 2006, nachschlagen.

 

Zum Schluss noch eine Quizfrage:  Wie heisst    dr Muggabadschr (süddeutsch) auf spanisch ??

Die Antwort in der nächsten Folge!!

Nein, doch hier:  dr Muggabadschr  =  sacsomataM le

 

Camping in El Portús & Corona, Chronologie der Ereignisse

Nach 4 Monaten im Winterquartier in El Portùs wird es Zeit, unsere Zelte abzubrechen und neue Ziele anzusteuern. Das Tangofestival vom 17. bis 22. März in Granada wollen wir besuchen. In La Zubia haben wir uns deshalb bereits einen Stellplatz für 9 Tage reserviert und die Anzahlung geleistet. Zu der Zeit toben die Coronaviren bereits heftig in Madrid. Die Region Murcia und auch der Bezirk Granada sind, warum auch immer, von der Corona-Pandemie bisher verschont. So ändert sich dies jetzt plötzlich. Am Wochenende 7./8. März tritt der 1. Fall in Murcia auf. Um eine Ansteckung zu vermeiden, nehmen wir dieses Jahr an der Manifestacion zum Internationalen Frauentag nicht teil. Kritisch betrachten wir im Newsletter der Tageszeitung La Verdad de Murcia und RTVE die weitere Entwicklung der Erkrankungen in unserer Nähe.

Obwohl wir am Mittwoch 11.3. früher aufgestanden sind, beschliessen wir, unsere Reisevorbereitungen abzubrechen und das Vorzelt stehen zu lassen. Den Aufenthalt in Granada sagen wir schriftlich ab, weil uns der Campingplatz hier sicherer erscheint. Am selben Tag erhalten wir die Bestätigung der Absage und grosszügig unsere Anzahlung zurück.

Auf unserem Platz reisen die ersten Camper ab. Die Gerüchteküche kocht über. Was passiert mit denen, die gerne noch länger bleiben wollen?

In den Nachrichten wird eine Erklärung der spanischen Regierung angekündigt. Es wird der Alarmzustand des Staates, eine Vorstufe des Notstandes, ausgerufen. Er gilt ab Montag, 16.3. bis 29.3.2020. In Cartagena und Umgebung sind bereits ab Freitag, 13.3. alle Restaurants und Bars geschlossen. Veranstaltungen werden in ganz Spanien abgesagt, sogar die Prozessionen in der Semana Santa, Karwoche. Bis auf Lebensmittelgeschäfte, Apotheken bleiben fast alle anderen Läden geschlossen.

Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen am Samstag noch einmal groß ein. Zum Glück sind die Geschäfte für Telekommunikation nicht von der Schliessung betroffen und so können wir unseren mobilen Router noch einmal aufladen. Im Supermarkt hamstern auch wir eingeschweisstes Frischfleisch, Konserven und frisches Gemüse. Dabei stellen wir fest, dass die Kühlregale der Metzgerei-Abteilung leer gekauft sind. Vor der Frischfleischtheke bewegt sich nur langsam eine Schlange Wartender, die lautstark die richtige Reihenfolge verteidigen. Nur wenige Einkaufswagen tragen „Hamster“-Merkmale.

Am Montag 16.3. sehen wir, dass der Zugang zu einem Dauercamper-Platz mit einem blau-weissen Absperrband der lokalen Polizei markiert ist. Trotz unserer Anfrage gibt die Rezeption des Campings keine Stellungnahme ab. Nach 2 Tagen ist das Band entfernt.

Gravierende Veränderungen treten ein. Der Kinderspielplatz, das Petanque-Feld und der Zugang zum Strand werden gesperrt. Ein Sanitärgebäude wird „für Renovierungsarbeiten“ geschlossen. Das Radioprogramm unseres öffentlich-rechtlichen Senders, Radio tres, ändert sich radikal. Keine Redebeiträge, nur noch ungewohnte Musik schallt aus dem Kofferradio.

Nach Rücksprache mit unserem Vereinsvorsitzenden können wir unseren Wohnwagen jederzeit auf unserem Stellplatz in Baden-Württemberg abstellen und dort wohnen. Trotzdem warten wir noch ab.

Mit Schreiben vom 19.3. teilt die Direktion des Campingplatzes mit, dass der Campingplatz und 2 Sanitär-Anlagen geöffnet bleiben, es sei denn, dass durch eine behördliche Anordnung die Schliessung erforderlich wird. Falls die Waschräume geschlossen werden müssen, dürfen nur noch die Gäste bleiben, die über vollständige sanitäre Einrichtungen (Waschbecken, WC und Dusche) im Wohnwagen/Wohnmobil verfügen. Personen, die mit dem Flugzeug in Ihre Heimatländer zurückkehren wollen, können das Fahrzeug ohne weitere Gebühr auf der Parzelle stehen lassen. Gleichzeitig werden für den Zeitraum des Alarmzustandes sehr günstige Übernachtungen in Mobilheimen angeboten.

Um dem befürchteten Ansturm zuvorzukommen reservieren wir noch am selben Tag telefonisch ein Mobilheim Modell A. Bei Abholung des Schlüssels bekommen wir eine Aufenthaltskarte ausgehändigt. Und ein weiteres Schreiben, in dem mitgeteilt wird, dass die Sanitäreinrichtungen am selben Tag ab 21 Uhr geschlossen werden. Nur der Zugang zu den Waschmaschinen ist weiterhin möglich. Unsere Freunde Maik und Ellen reisen spontan ab. Jeden Abend teilen sie uns telefonisch ihr Weiterkommen mit.

Ausgangssperre

Die Abreisewelle erreicht ihren Höhepunkt. Unser holländischer Nachbar Willem ist verärgert, hat er doch erst vor wenigen Tagen die Jahresgebühr für seinen Stellplatz bezahlt. Seine geplanten Flüge nach Holland wurden gecancelt. So bleibt ihm und seiner Frau nur die Rückkehr in ihrem Kleinwagen.

In einer weiteren Verordnung der spanischen Regierung wird die Schliessung aller Campingplätze und Hotels innerhalb einer Woche angekündigt. So die Mitteilung bei RTVE. Im Originaltext können wir aber nachlesen, dass Langzeit- oder Saisonaufenthalte in Einrichtungen mit eigenen sanitären Anlagen weiterhin möglich sind.

Das angemietete Mobilheim ist für uns zu klein. Auch wir beschliessen nun nach Hause zu fahren. Trotz Regen räumen wir das Vorzelt aus, schlagen es am nächsten Tag ab und packen das Auto. Nach getaner Arbeit lesen wir unsere eingegangenen E-Mails. Der Vorstand unseres Campingplatzvereins teilt in einem Rundschreiben mit, dass die baden-württembergische Landesregierung verfügt hat, dass ab sofort bis zum 19.4. alle öffentlichen und ebenso alle privaten Campingplätze geschlossen bleiben müssen. Nun können wir nicht mehr nach Hause. Jetzt sind wir Gefangene der Schlucht.

In der Rezeption erkundigen wir uns nach einem grösseren Bungalow. Es gibt noch freie Objekte und wir ziehen nach vorheriger Besichtigung um. Der neue Bungalow bietet mehr Platz. So können wir es aushalten. In Spanien wird nun die Ausgangssperre bis 11.4. verlängert.

Mittlerweile verwandelt sich das Restaurant in einen Supermarkt. Frische Speisen werden auf Bestellung zum Mitnehmen zubereitet. Um das Risiko einer Ansteckung der verbliebenen Gäste und Dauercamper zu verringern, wird ein Einkaufservice angeboten.

Wir machen von den Angeboten gebrauch. Seit über 3 Wochen haben wir den Campingplatz nicht mehr verlassen. Wir halten Abstand und fühlen uns sicher. Sind wir doch noch immer in einer Region, die im Vergleich sehr geringe Fallzahlen ausweist. Wir hoffen, bis zum Ende des Alarmzustandes hier bleiben zu können. Wir halten uns an die Aufforderungen unseres Radiosenders und des spanischen Fernsehens: Quedate en casa, bleib zuhause!

Nach neuesten Informationen denkt die spanische Regierung über die Verlängerung der Ausgangssperre bis zum 26.4. nach, aber was kann schöner sein als Ausgangssperre in EL PARAÍSO.

En las Urgencias, in der Notaufnahme

Bei einem Sturz hat sich Elke  (* Name geändert) an der Hand verletzt. Der Fingernagel des kleinen Fingers wurde mit seinem Bett herausgerissen. Diese Verletzung verursacht starke Schmerzen und blutet stark, sie muss von einem Arzt versorgt werden. Die Wunde wird mit einem großen sterilen Mulltupfer abgedeckt. Von der Rezeption des Campingplatzes wird uns die Adresse des nächstgelegenen Krankenhauses mitgeteilt.

Urgencias

Nach einem solchen Unfall, unerklärlichen Schmerzen oder einem Insektenstich findet man sich auch in Spanien in der (zentralen) Notaufnahme eines Krankenhauses ein. Am besten in einem Hospital general, das für alle Notfälle gerüstet ist und ein entsprechendes Ärzteteam vorweist.

Nach Betreten der Notaufnahme müssen wir uns in der Patientenaufnahme, spanisch Celador, anmelden. Ein Fragebogen ist auszufüllen, Name, Geburtsdatum, Wohnort, Zugehörigkeit zur Krankenkasse und natürlich Angaben zum Unfall oder der Erkrankung werden erfragt. Die Art und Schwere der Verletzung wird eingestuft. Elke darf derweil schon im Wartesaal Platz nehmen. Sie erhält ein Band, das um das Handgelenk zu tragen ist. Auf diesem Band sind alle Informationen enthalten. Auch der Code aus 2 Buchstaben und 4 Zahlen der für die weitere Behandlung obligatorisch ist. Neben dem Fenster der Patientenaufnahme befindet sich ein ebenfalls verglaster Aufsichtsplatz, der von einer Krankenschwester besetzt ist.

Weitere Verletzte, Erkrankte werden angewiesen im Wartesaal Platz zu nehmen, wenn erforderlich wird ein Rollstuhl oder Hilfe durch medizinisches Fachpersonal angeboten.

Der Wartesaal ist groß, sehr groß. Mehrere Stuhlreihen sind vor einem an der Wand montierten großen Bildschirm angeordnet. Neben Infos zum Krankenhaus und anderen medizinischen Hinweisen, wird hier die Buchstaben/Zahlen-Kombination angezeigt und mit einer sonoren mechanischen Stimme, natürlich auf Spanisch, verlesen. Daneben wird Abteilung, Behandlungsraum oder auch Aufsicht, angegeben, wohin der Patient, dessen Armband diesen Code aufweist, gehen soll.

Der Saal ist voll von Menschen. Kinder, Männer und Frauen, die auf ihre Behandlung oder weitere Versorgung warten. Notdürftig verbundene Wunden an Händen, Füssen oder am Kopf bestimmen das Bild, auch Krankheiten, die äußerlich nicht ersichtlich sind. Verwandte, Freunde oder Kollegen begleiten die Verletzten. Manches Kind schmiegt sich an seine Mutter.

Unterbrochen wird das träge Warten durch die Anzeige und das Verlesen der Buchstaben und Zahlen. Der, die Aufgeforderte verlässt den Sitzplatz und begibt sich in den angegebenen Behandlungsraum. Farbige Streifen auf dem Fußboden weisen den Weg zu übergeordneten Fachbereichen. Natürlich werden die Buchstaben und Zahlen nicht alphabetisch abgearbeitet, stellen sie doch die Dringlichkeit oder die Reihenfolge der notwendigen Maßnahmen dar. Stark blutende Wunden, akute Bedrohungen werden zuerst versorgt. Da Elkes Verletzung noch blutet, muss sie auf die Untersuchung nicht lange warten. Nach erster ärztlicher Abklärung, oder auch nach dem Röntgen des verletzten Körperteils muss sich so auch Elke zur weiteren Behandlung wieder in die lange Reihe der Wartenden einfügen. Endlich ist auch die komplizierteste Verletzung versorgt, jetzt gilt es nur noch den ärztlichen Bericht zur weiteren Behandlung durch einen niedergelassenen Arzt, nach einer weiteren Wartezeit, entgegen zu nehmen.

In der Nähe des Wartesaals befindet sich ein kleiner Kiosk, in der einfache Speisen und Getränke zur Stillung von Hunger und Durst während der andauernden Wartezeit angeboten werden.

Ausländische Patienten müssen gewisse Dienstleistungen bezahlen. Aber nicht in allen Krankenhäusern ist die Rechnungsabteilung im Gebäude der Notaufnahme angesiedelt, sodass die Rechnung in diesem Fall wohl an die Heimatadresse von Elke, die privat versichert ist, oder an ihre Krankenversicherung verschickt wird.

Zum Glück ist der Unfall, abgesehen von der langen Wartezeit doch glimpflich ausgegangen. Die weitere Behandlung erfolgt im Centro de Salud de la Zona. Dies ist eine städtische Einrichtung, in der Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen arbeiten. Einfache Behandlungen wie Blutabnahmen, Verbandswechsel oder das ziehen von Fäden wird selbständig von medizinischem Fachpersonal, Krankenschwestern, vorgenommen.  Ein spanischer Arzt kümmert sich umsichtig um die weitere Versorgung. Bald kann Elke ihre Reise fortsetzen.

Keine blaue Flagge für …

Die blaue Flagge wird in über 40 Ländern vergeben und ist eine Auszeichnung für die Qualität des Wassers und des Strandes. Wichtige Standards müssen eingehalten sein. Auch in Spanien ziert dieses Markenzeichen mehrere Strandabschnitte. In der Nähe von Cartagena so z.B. am Meer zwischen Azohia und Isla Plana.

Vergeblich sucht man die blaue Fahne am Playa Morena, einem kleinen Strandabschitt, gelegen zwischen zwei Felsenzügen.

Der kleine Sandstrand macht für den Badegast oberflächlich gesehen einen sauberen und natürlichen Eindruck. Das Wasser scheint sauber und klar. Der Kiesgrund und die Fische sind weithinein deutlich zu zusehen. Algen kommen nicht vor.

Warum keine blaue Flagge bei diesen Vorausetzungen am Playa Morena? Bei eingehender Betrachtung muß man/frau feststellen, daß der Sand öfters mit Hundespuren, klein und groß, zerplügt ist. Obwohl in Spanien ein Gesetz verbietet, daß Hunde und auch andere Tiere an Badestränden mitgenommen oder ausgeführt werden. Zuwiderhandlungen sind sogar mit einer Geldstrafe bewährt. Trotzdem halten sich nur wenige Tierhalter an diese Bestimmungen. Sind die Auflagen nicht bekannt? Nur zwei verblasste Verbotsschilder sind an den Eingängen zu diesem Strand angebracht. Seit neuestem wird auch noch schriftlich die Einhaltung dieses Gesetzes angemahnt. Bekannt oder unbekannt nur wenige halten die Vorschriften für sich und ihre Hunde bindend. Ohne schlechtes Gewissen werden die Hunde ausgeführt, Apportierübungen verlangt und natürlich baden die Hunde im Meer. Das Gesetz besteht zwar, aber niemand setzt es durch. Die örtliche Polizei hat andere vielfältige Aufgaben, als sich um die Einhaltung dieses Gesetzes zum respektvollen Umgang am Strand zu achten. Aber auch andere Verwaltungskräfte sind in der Pflicht.

Wahrscheinlich, dass bei Sand- und Wasserproben auch Hundehaare gefunden würden, weshalb  die Blaue Flagge für diesen Strandabschnitt und wegen des fehlenden Verantworungsbewusstseins des Strandmanagements wohl nicht vergeben werden könnte.

Los reclusos del barranco – Die Gefangenen der Schlucht

Begrüßt wurden wir zwar imParadies, aber seit Adam in den von Eva gereichten Apfel biß, ist nichts mehr so, wie es davor gewesen sein soll.

Unendlich lang ist die Liste der Naturereignisse denen die Überwinterer ausgesetzt waren und noch sein werden. Neulingen werden diese Katastrophen von erfahrenen Campern (alten Hasen) gleich nach der Ankunft übermittelt. Eine zeitliche Zuordnung ist nur in wenigen Fällen möglich. Ansonsten richtet es sich nach dem Gefühl und der Bedeutung für die Erzähler. Unklar ist auch ob der Vortragende darstellen will, was er so alles erlebt hat, oder ob er mit seiner Erzählung den unerfahrenen Neuankömmling verängstigen will. Obwohl nur wenige Umstände bekannt sind, muss man an diese Vorkommnisse einfach glauben, gibt es doch mehrere Personen, die dies selbst erlebt oder zumindest von anderen gehört haben.

Berichtet wird von einem Tsunami, der nach einem Seebeben vor Alicante, enstanden sein soll. Zwei riesige Wellen, sieben Meter hoch, stieben über die Mauer am Strand. Die Mauersteine sollten bis ins Waschhaus mitgerissen worden sein. Dies wurde von einem Camper glaubhaft berichtet, der zu diesem Zeitpunkt mit seinem Wohnmobil in einer der vorderen Reihen stand. Es gab zwar erhebliche Schäden, aber umgerissen wurde das Fahrzeug nicht.

Desweiteren fegte ein Tornado, kommend vom Meer, über die Unterkünfte, Wohnmobile und Wohnwagen, der mutigen oder auch unerfahrenen Meercamper hinweg. In den Berichten über Schaden, den dieser Wirbelsturm verursacht haben soll, gibt es natürlich unterschiedliche Angaben.

Vor längerer Zeit soll ein Wohnwagen nach zweiwöchigem Regen ins Meer abgeschwemmt worden sein. Über das Schicksal, der sich darin angeblich befindenden Frau, ist nichts näheres bekannt. Das ist aber, wie gesagt, schon länger her.

Selbst erlebt haben wir den stärksten Sturm seit dreissig Jahren. Auch da peitschten hohe Wellen die See. Gischt hing in der Luft. Die Bäume bogen sich unter der Wucht des Windes. Von einer Pinie knickte ein großer Ast ab und fiel auf den darunter stehenden Wohnwagen. Auch ein großer Ast eines Olivenbaums hielt der Gewalt nicht stand. Vor- und Küchenzelte wurden umgerissen. So auch das unserer Nachbarn, die auf unsere Warnung hin meinten, an der  Nordseeküste sei man Stürme gewohnt. Das Meer breitete sich aus und stand bis unter unseren Wohnwagen.

Auch heute weht wieder einmal ein Wind der Stärke 8 bft. Dies ist aber noch gut auszuhalten. Um stärkere Winde abzuhalten stellt man einfach, wenn möglich, sein Auto vor das Vorzelt.

Bei all diesen Vorkommnissen kam zum Glück kein Mensch zu Schaden, auch die materiellen Verluste hielten sich in Grenzen. In keinem der Fälle kam eine Warnung von der Campingplatzleitung. Nur die selbst gesuchten Informationen der örtlichen Wettervorhersagen ermöglichen rechtzeitige Vorkehrungen.

Aus all diesen Gründen lassen sich erfahrene, oder vielleicht auch ängstliche Camper in den weiter hinteren Reihen und nicht an den Plätzen am Meer nieder. Allerdings lassen sie es sich nicht nehmen, nach solchen Ereignissen, die möglichen Schäden der Meerfreunde zu begaffen. Und aus sicherer Entfernung darf man sich auf keinen Fall den Anblick der Brecher entgehen lassen.

Die freien Stellplätze mit romantischen Meeresblick werden gerne von Wohnmobilfahrern aufgesucht, die dann nach stürmischer Nacht geschockt und fluchtartig den Campingplatz verlassen.

Das pfeifen die Spatzen von den Bäumen

Während unseres Frühstücks im Wohnwagen macht es großen Spaß, dem fliegenden Reinigungsdienst bei der Arbeit zuzuschauen. Türkentauben, Spatzen und ein paar Hausrotschwänzchen teilen sich die Arbeit. Besonders begehrt sind dabei die Plätze, auf denen bis vor kurzem noch andere Zweibeiner, solche ohne Flügel, gelebt haben. Denn das Suchen nach Brosamen oder herabgefallenen Oliven direkt an den Behausungen auf Rädern kann ziemlich gefährlich werden. Oft leben hier auch noch Vierbeiner wie Hunde und Katzen, die ihrem stets vorhandenen Bewegungsdrang und dem andauernden Hungergefühl gerne auch mit Erfolg nachgeben.

Aber es gibt natürlich auch noch andere Erschwernisse beim Sattwerden. Normalerweise teilen sich die Spatzen freundschaftlich das Nahrungsangebot. 20 und mehr Spatzen bevölkern vollkommen friedlich den Fress-(Stell)Platz. Aufruhr entsteht nur dann, wenn ein besonders großes Stück Brot, also eine Scheibe Baguette gefunden wird. Der Entdecker pickt dann nur kurz um zu probieren und dann packt er den Leckerbissen mit dem Schnabel und fliegt weg. Damit kommt er aber nicht richtig hoch und auch nicht weit genug um das Brot allein zu futtern. Die Spatzenschar hat nämlich längst erkannt, daß der Ausreiser teilen muß. Sie fliegen ihm alle hinterher und meist wechselt beim nächsten Bodenkontakt das Futter den Besitzer, der auch nicht teilen will. Er hat jedoch schon keine Zeit mehr zum Fressen sondern muß sofort das Weite suchen. Und das Schauspiel beginnt von neuem. Manchmal, wenn zwei Hungrige gleichzeitig zupacken, wird es auch unfreiwillig geteilt. Dadurch erhöht sich dann die Fluchtmöglichkeit und das allgemeine Interesse läßt nach. Die Suche am Boden geht dann für die, die noch nicht satt sind, weiter.

El Portus

Die Tauben haben das „Hilfe-ich-werde-nicht-satt“-Problem anders gelöst. Sitzen sie alle auf den Pinien gurren sie vereint und lautstark auch schon früh morgens. Wenn aber der große Hunger kommt, wird genau abgezählt. Höchstens 3 Tauben pro Fressplatz. Pickt auch nur eine weitere in der Nähe wird sie konsequent verjagt. Anfangs nur mit Drohgebärden, wie schnelles hinhüpfen, bis hin zum Einsatz des Schnabels als Waffe. Spätestens dann fliegt sie davon und schimpft: „das hab ich auch gleich eingesehen“.

El Portus

Ein beliebter Fressplatz ist unter einem Olivenbaum. Herabgefallene Oliven werden gerne als Nachtisch gefressen. Aber eines Mittags überdeckt ein Teppich den Großteil der Oliven. Tauben und Spatzen stehen am 1. Tag fassungslos am Teppichrand. Am 2. Tag spazieren sie einfach zwischen den Füssen der Camper über den Teppich, vielleicht liegt da auch was leckeres.

Wenn dann alle satt sind am Nachmittag, gibt es ein großes Spatzenpalaver. Schimpfen, auspfeifen und auslachen, die Verständigung untereinander klappt hervorragend. Bis zum gemeinsamen Abflug, der meist durch einen Störenfried, wie Mensch oder Katze die Versammlung beendet.

El Portus

Und am Ende ist das Putzteam, bestehend aus Spatzen, Tauben und Katzen, auch sehr erfolgreich. Sie verhindern gemeinsam die Niederlassung von Mäusen.

El Portus