Castellano a segundo visto

Spanisch auf den zweiten Blick

Spanisch ist eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Mit ihren Eigenheiten wollen wir uns beschäftigen. Was ist der Hintergrund, wenn einem etwas spanisch vorkommt. Diese Frage wollen wir sprachlich etwas näher betrachten und Vokabeln auf ihre Bedeutung und ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

Beginnen wir mit so einfachen Wörtern (Palabras) wie:

La Plancha  =  der Grill ?  Weit gefehlt, la plancha ist das Bügeleisen

A la Plancha … also … vom Bügeleisen, was denn sonst !?!

Carniceria autoservicio , … da kann man bei der Metzgerei lange nach der angegliederten Autowerkstatt suchen. Autoservicio heißt schlicht ….Selbstbedienung.

Noch etwas kulinarisches:

Conejo de Indias  =  indianische Zubereitung eines Kaninchens ??   Guten Appetit,  conejo de indias … ist das … Meerschweinchen.

Allgemein geht es weiter:

La Milonga  =  Volkstanz, Tanzveranstaltung, Ball ?   auf spanisch: … Lüge, Schwindel, auch Ente: die bleierne…!!

La Pluma  =  die Blume?, … leider nicht :  die Feder …  und auch der Füller.

El Matafuego  =  der Feuertöter oder gar Feuerschlucker ? …. Fast richtig: …. der Feuerlöscher.

curioso/a  =  kurios, schräg, ungewöhnlich, absonderlich ? … Nein, nur neugierig … wie die Glühwürmchen im Tango   El dia que me quieras  von C. Gardel:  Las luciérnagas curiosas…“!

El Éxito  =  der Tod ?  Im Gegenteil … Erfolg !!!

ocultas/os  =  hat nichts mit Tischrücken oder Geisterbeschwörung zu tun, bedeutet nur …. versteckt.

dar en el blanco  =  tja, in Spanien trifft man in’s Weisse und nicht in’s Schwarze.

Los Mozzos  =  Kellner, die in der Fiesta de San Fermin in Pamplona vor den Stieren rennen ??

cambiar de Sentido  =  Den Sinn, die Meinung wechseln ? … Nein, nur die (Fahrt-)Richtung.

So, und jetzt zu nicht mehr jugendfreien Wörtern (obsceno, picante). Eine kleine Auswahl, nicht in Gegenwart von Kindern lesen !!

una Cola  =  Vorsicht, wer als Frau in einer Bar mit dieser Vokabel eine Coca-Cola bestellt, wird begierige Blicke und aufreizendes Lächeln auslösen. Ist doch  la cola  der Schwanz !!

La Concha  =  die Muschel,  harmlos ??  Aber auch die Bezeichnung für ein weibliches Körperteil.

coger  =  wird in Spanien unbedarft für trinken, nehmen (auch den Zug oder Einkaufswagen) u.ä. verwendet.

In Lateinamerika hingegen erntet man so Lachen oder Bestürzung, beschreibt doch dieses Wort vulgär eine intime zwischenmenschliche körperliche Aktivität.

Soweit erstmal, die Reihe wird fortgesetzt.

Wer die Interpretationen für weit hergeholt oder gar für falsch hält, kann bei Leo und im PONS, Basiswörterbuch Spanisch, 1. überarbeitete Ausgabe 2006, nachschlagen.

 

Zum Schluss noch eine Quizfrage:  Wie heisst    dr Muggabadschr (süddeutsch) auf spanisch ??

Die Antwort in der nächsten Folge!!

Nein, doch hier:  dr Muggabadschr  =  sacsomataM le

 

Boviksbadet an der „nordischen Riviera“

Der Campingplatz in Boviksbadet, direkt an der Ostsee, lockt uns.  Wollen wir doch endlich wieder einmal im Meer baden. Wir ergattern einen Stellplatz in unverbaubarer Halbhöhenlage mit Blick auf die See. Obwohl die Ostsee sehr flach ist geniessen wir das Baden im 18° C warmen Wasser.

Unser Nachbar, ein Dauercamper, ist sehr interessiert an uns. Er ist zwar sehr  beschäftigt an seinem Wohnwagen, aber auf ein Schnäpschen kommt er gern zu uns. Die Unterhaltung ist etwas schwierig, da er nicht englisch und wir nicht schwedisch sprechen.

Ein kleiner Spaziergang am Ufer des Meeres führt uns an einem Lagerfeuer vorbei. Die Gruppe aus Norwegen fordert uns auf, bei ihnen Platz zu nehmen. Gerne nehmen wir die Einladung an. Bis spät in die Nacht sitzen wir zusammen und tauschen unsere Erlebnisse aus. Sie verbringen hier an der „warmen Ostsee“  ihren Sommerurlaub.

Boviksbadet

Am Wochende tritt eine Coverband am Kiosk des Campingplatzes auf. Schwedische Besucher reisen mit amerikanischen Schlitten an. Die Band nennt sich Mucho Mojo und es fliesst auch mucho Alkohol. Zum Glück haben die schwedischen Freunde ihre Fahrer, die nüchtern bleiben.

 

Angeln im Byskeälven

Im  Touristbüro in Skelleftea, der nächstgelegenen Stadt, finden wir eine Broschüre, die das Angeln auf Lachse im nahe gelegenen Byskeälven beschreibt. Der Byskefluss ist in dieser Gegend ein bekannter Lachsfluss. Eine Angelerlaubnis sei im Campingplatz am Fluss erhältlich. Natürlich fahren wir hin. Die Broschüre ist leider nicht aktuell. Die Erlaubnis muss man jetzt im Sportgeschäft kaufen. Es ist Samstagmittag und der Laden hat bereits geschlossen.

Am Montag verkauft mir die Besitzerin gerne eine Angelkarte. Ihr Mann weist mich daraufhin, dass die Saison zwischen Mai und Juni ist. Die Chancen seien jetzt, Ende Juli, sehr gering einen kapitalen Lachs zu fangen. Trotzdem will ich mein Glück versuchen. Er hat recht, obwohl ich es an mehreren Stellen versuche, gehe ich ohne Biss zurück zum Campingplatz.

 

 

 

Milonga unter der Mitternachtssonne in Helsinki

In Helsinki befindet sich unser Tanzplatz im 8. Stock eines Hochhauses: „Milonga del Jueves“ in El Atico, der Tanzschule für argentinischen Tango. Obwohl es schon spät ist, ist es noch taghell. Die Sonne geht bis zum Schluss nicht unter. Vorhänge dämpfen die Sonnenstrahlen.

Tango in HelsinkiDas Publikum ist gemischt, nur ein Paar ist in unserem Alter. Die Aufforderung zum Tanz erfolgt durch „cabezeo“, Kopfnicken. Aber nicht nur Männer sondern auch Frauen fordern auf. Durchweg gute Tänzer*innen, aber keine Perfektionisten. Frauen in Halbschuhen tanzen mit Frauen, lassen sich aber auch von Männern auffordern.

Zur Erfrischung gibt es Tee und Wasser, kein Wein oder Bier. Auch nicht selbst mitgebracht.

Tango in HelsinkiWir werden als Tänzer akzeptiert aber nicht besonders beachtet. Es kommt anscheinend öfter vor, dass Unbekannte zum Tanzen kommen.

Camping in El Portús & Corona, Chronologie der Ereignisse

Nach 4 Monaten im Winterquartier in El Portùs wird es Zeit, unsere Zelte abzubrechen und neue Ziele anzusteuern. Das Tangofestival vom 17. bis 22. März in Granada wollen wir besuchen. In La Zubia haben wir uns deshalb bereits einen Stellplatz für 9 Tage reserviert und die Anzahlung geleistet. Zu der Zeit toben die Coronaviren bereits heftig in Madrid. Die Region Murcia und auch der Bezirk Granada sind, warum auch immer, von der Corona-Pandemie bisher verschont. So ändert sich dies jetzt plötzlich. Am Wochenende 7./8. März tritt der 1. Fall in Murcia auf. Um eine Ansteckung zu vermeiden, nehmen wir dieses Jahr an der Manifestacion zum Internationalen Frauentag nicht teil. Kritisch betrachten wir im Newsletter der Tageszeitung La Verdad de Murcia und RTVE die weitere Entwicklung der Erkrankungen in unserer Nähe.

Obwohl wir am Mittwoch 11.3. früher aufgestanden sind, beschliessen wir, unsere Reisevorbereitungen abzubrechen und das Vorzelt stehen zu lassen. Den Aufenthalt in Granada sagen wir schriftlich ab, weil uns der Campingplatz hier sicherer erscheint. Am selben Tag erhalten wir die Bestätigung der Absage und grosszügig unsere Anzahlung zurück.

Auf unserem Platz reisen die ersten Camper ab. Die Gerüchteküche kocht über. Was passiert mit denen, die gerne noch länger bleiben wollen?

In den Nachrichten wird eine Erklärung der spanischen Regierung angekündigt. Es wird der Alarmzustand des Staates, eine Vorstufe des Notstandes, ausgerufen. Er gilt ab Montag, 16.3. bis 29.3.2020. In Cartagena und Umgebung sind bereits ab Freitag, 13.3. alle Restaurants und Bars geschlossen. Veranstaltungen werden in ganz Spanien abgesagt, sogar die Prozessionen in der Semana Santa, Karwoche. Bis auf Lebensmittelgeschäfte, Apotheken bleiben fast alle anderen Läden geschlossen.

Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen am Samstag noch einmal groß ein. Zum Glück sind die Geschäfte für Telekommunikation nicht von der Schliessung betroffen und so können wir unseren mobilen Router noch einmal aufladen. Im Supermarkt hamstern auch wir eingeschweisstes Frischfleisch, Konserven und frisches Gemüse. Dabei stellen wir fest, dass die Kühlregale der Metzgerei-Abteilung leer gekauft sind. Vor der Frischfleischtheke bewegt sich nur langsam eine Schlange Wartender, die lautstark die richtige Reihenfolge verteidigen. Nur wenige Einkaufswagen tragen „Hamster“-Merkmale.

Am Montag 16.3. sehen wir, dass der Zugang zu einem Dauercamper-Platz mit einem blau-weissen Absperrband der lokalen Polizei markiert ist. Trotz unserer Anfrage gibt die Rezeption des Campings keine Stellungnahme ab. Nach 2 Tagen ist das Band entfernt.

Gravierende Veränderungen treten ein. Der Kinderspielplatz, das Petanque-Feld und der Zugang zum Strand werden gesperrt. Ein Sanitärgebäude wird „für Renovierungsarbeiten“ geschlossen. Das Radioprogramm unseres öffentlich-rechtlichen Senders, Radio tres, ändert sich radikal. Keine Redebeiträge, nur noch ungewohnte Musik schallt aus dem Kofferradio.

Nach Rücksprache mit unserem Vereinsvorsitzenden können wir unseren Wohnwagen jederzeit auf unserem Stellplatz in Baden-Württemberg abstellen und dort wohnen. Trotzdem warten wir noch ab.

Mit Schreiben vom 19.3. teilt die Direktion des Campingplatzes mit, dass der Campingplatz und 2 Sanitär-Anlagen geöffnet bleiben, es sei denn, dass durch eine behördliche Anordnung die Schliessung erforderlich wird. Falls die Waschräume geschlossen werden müssen, dürfen nur noch die Gäste bleiben, die über vollständige sanitäre Einrichtungen (Waschbecken, WC und Dusche) im Wohnwagen/Wohnmobil verfügen. Personen, die mit dem Flugzeug in Ihre Heimatländer zurückkehren wollen, können das Fahrzeug ohne weitere Gebühr auf der Parzelle stehen lassen. Gleichzeitig werden für den Zeitraum des Alarmzustandes sehr günstige Übernachtungen in Mobilheimen angeboten.

Um dem befürchteten Ansturm zuvorzukommen reservieren wir noch am selben Tag telefonisch ein Mobilheim Modell A. Bei Abholung des Schlüssels bekommen wir eine Aufenthaltskarte ausgehändigt. Und ein weiteres Schreiben, in dem mitgeteilt wird, dass die Sanitäreinrichtungen am selben Tag ab 21 Uhr geschlossen werden. Nur der Zugang zu den Waschmaschinen ist weiterhin möglich. Unsere Freunde Maik und Ellen reisen spontan ab. Jeden Abend teilen sie uns telefonisch ihr Weiterkommen mit.

Ausgangssperre

Die Abreisewelle erreicht ihren Höhepunkt. Unser holländischer Nachbar Willem ist verärgert, hat er doch erst vor wenigen Tagen die Jahresgebühr für seinen Stellplatz bezahlt. Seine geplanten Flüge nach Holland wurden gecancelt. So bleibt ihm und seiner Frau nur die Rückkehr in ihrem Kleinwagen.

In einer weiteren Verordnung der spanischen Regierung wird die Schliessung aller Campingplätze und Hotels innerhalb einer Woche angekündigt. So die Mitteilung bei RTVE. Im Originaltext können wir aber nachlesen, dass Langzeit- oder Saisonaufenthalte in Einrichtungen mit eigenen sanitären Anlagen weiterhin möglich sind.

Das angemietete Mobilheim ist für uns zu klein. Auch wir beschliessen nun nach Hause zu fahren. Trotz Regen räumen wir das Vorzelt aus, schlagen es am nächsten Tag ab und packen das Auto. Nach getaner Arbeit lesen wir unsere eingegangenen E-Mails. Der Vorstand unseres Campingplatzvereins teilt in einem Rundschreiben mit, dass die baden-württembergische Landesregierung verfügt hat, dass ab sofort bis zum 19.4. alle öffentlichen und ebenso alle privaten Campingplätze geschlossen bleiben müssen. Nun können wir nicht mehr nach Hause. Jetzt sind wir Gefangene der Schlucht.

In der Rezeption erkundigen wir uns nach einem grösseren Bungalow. Es gibt noch freie Objekte und wir ziehen nach vorheriger Besichtigung um. Der neue Bungalow bietet mehr Platz. So können wir es aushalten. In Spanien wird nun die Ausgangssperre bis 11.4. verlängert.

Mittlerweile verwandelt sich das Restaurant in einen Supermarkt. Frische Speisen werden auf Bestellung zum Mitnehmen zubereitet. Um das Risiko einer Ansteckung der verbliebenen Gäste und Dauercamper zu verringern, wird ein Einkaufservice angeboten.

Wir machen von den Angeboten gebrauch. Seit über 3 Wochen haben wir den Campingplatz nicht mehr verlassen. Wir halten Abstand und fühlen uns sicher. Sind wir doch noch immer in einer Region, die im Vergleich sehr geringe Fallzahlen ausweist. Wir hoffen, bis zum Ende des Alarmzustandes hier bleiben zu können. Wir halten uns an die Aufforderungen unseres Radiosenders und des spanischen Fernsehens: Quedate en casa, bleib zuhause!

Nach neuesten Informationen denkt die spanische Regierung über die Verlängerung der Ausgangssperre bis zum 26.4. nach, aber was kann schöner sein als Ausgangssperre in EL PARAÍSO.

Haparanda, Stadt der Träumer

Unser Weg führt uns weiter nach Haparanda. Aber der Wohnwagen steht im nächstgelegenen Campingplatz in Kukkolaforsen am Romanjeki. Eine alte Fischerstadt, in der man nach alter Tradition mit einem langstieligen Kescher fischt. Jetzt ist Saison, die Fische ziehen zum Laichen in die Quellgebiete des Flusses.

Im nahegelegenen Museumsdorf wird gezeigt, wie die Wasserkraft zum Antrieb von Holzbearbeitungsmaschinen und Getreidemühle benutzt wurde. Das historische Rathaus mit der Uhr, die mit Glockenschlägen die Zeit in der gefischt werden durfte, bestimmte.

In dem Roman Heimatmuseum von Siegfried Lenz träumen die Hauptfiguren von Haparanda, als Ziel ihrer Flucht vor dem beginnenden Faschismus in Ostpreussen. An der Grenze zwischen Schweden und Finnland gelegen, erhoffen sie sich eine neue Zukunft und Heimat zu finden. Letztendlich hatten sie jedoch nicht den Mut ihre alte Heimat zu verlassen.

Thomas Cook behauptete, dass man im Leben mindestens die Städte Timbuktu, Samarkant und Haparanda besuchen müsste.

Dies sind die Gründe warum auch wir den Weg nach Haparanda nehmen. Was für eine Enttäuschung. Anstatt des blühenden Lebens und kultureller Sehenswürdigkeiten zeigt sich für uns die Tristess einer verschlafenen Kleinstadt. Leere Strassen, ein leeres Restaurant und verlassene Bänke im Cafe am Flussufer.

Was für ein Unterschied zu Tornio, der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite des Romanjeki. Gartenwirtschaften und Einkaufszentren mit geschäftigen Passanten prägen das Flair dieser finnischen Stadt.

Als Lenin im Frühjahr 1917 mit Schlitten den noch gefrorenen Fluss überquerte, begann hier das russische Zarenreich. Wegen unterschiedlicher Spurweiten musste er hier auf seinem Weg nach St. Petersburg den Zug wechseln. Ein gefährliches Unternehmen, aufgrund des brüchigen Eises und der Angst vom russischen Grenzposten zurückgewiesen, oder gar verhaftet zu werden.

Im Bahnhof von Tornio soll eine Plakette heute noch auf dieses historische Ereignis hinweisen. Leider können wir den Bahnhof während unseres kurzen Aufenthaltes nicht finden.

Auf welche Erlebnisse muss man sich gefasst machen, wenn man Timbuktu und Samarkant bereist?

En las Urgencias, in der Notaufnahme

Bei einem Sturz hat sich Elke  (* Name geändert) an der Hand verletzt. Der Fingernagel des kleinen Fingers wurde mit seinem Bett herausgerissen. Diese Verletzung verursacht starke Schmerzen und blutet stark, sie muss von einem Arzt versorgt werden. Die Wunde wird mit einem großen sterilen Mulltupfer abgedeckt. Von der Rezeption des Campingplatzes wird uns die Adresse des nächstgelegenen Krankenhauses mitgeteilt.

Urgencias

Nach einem solchen Unfall, unerklärlichen Schmerzen oder einem Insektenstich findet man sich auch in Spanien in der (zentralen) Notaufnahme eines Krankenhauses ein. Am besten in einem Hospital general, das für alle Notfälle gerüstet ist und ein entsprechendes Ärzteteam vorweist.

Nach Betreten der Notaufnahme müssen wir uns in der Patientenaufnahme, spanisch Celador, anmelden. Ein Fragebogen ist auszufüllen, Name, Geburtsdatum, Wohnort, Zugehörigkeit zur Krankenkasse und natürlich Angaben zum Unfall oder der Erkrankung werden erfragt. Die Art und Schwere der Verletzung wird eingestuft. Elke darf derweil schon im Wartesaal Platz nehmen. Sie erhält ein Band, das um das Handgelenk zu tragen ist. Auf diesem Band sind alle Informationen enthalten. Auch der Code aus 2 Buchstaben und 4 Zahlen der für die weitere Behandlung obligatorisch ist. Neben dem Fenster der Patientenaufnahme befindet sich ein ebenfalls verglaster Aufsichtsplatz, der von einer Krankenschwester besetzt ist.

Weitere Verletzte, Erkrankte werden angewiesen im Wartesaal Platz zu nehmen, wenn erforderlich wird ein Rollstuhl oder Hilfe durch medizinisches Fachpersonal angeboten.

Der Wartesaal ist groß, sehr groß. Mehrere Stuhlreihen sind vor einem an der Wand montierten großen Bildschirm angeordnet. Neben Infos zum Krankenhaus und anderen medizinischen Hinweisen, wird hier die Buchstaben/Zahlen-Kombination angezeigt und mit einer sonoren mechanischen Stimme, natürlich auf Spanisch, verlesen. Daneben wird Abteilung, Behandlungsraum oder auch Aufsicht, angegeben, wohin der Patient, dessen Armband diesen Code aufweist, gehen soll.

Der Saal ist voll von Menschen. Kinder, Männer und Frauen, die auf ihre Behandlung oder weitere Versorgung warten. Notdürftig verbundene Wunden an Händen, Füssen oder am Kopf bestimmen das Bild, auch Krankheiten, die äußerlich nicht ersichtlich sind. Verwandte, Freunde oder Kollegen begleiten die Verletzten. Manches Kind schmiegt sich an seine Mutter.

Unterbrochen wird das träge Warten durch die Anzeige und das Verlesen der Buchstaben und Zahlen. Der, die Aufgeforderte verlässt den Sitzplatz und begibt sich in den angegebenen Behandlungsraum. Farbige Streifen auf dem Fußboden weisen den Weg zu übergeordneten Fachbereichen. Natürlich werden die Buchstaben und Zahlen nicht alphabetisch abgearbeitet, stellen sie doch die Dringlichkeit oder die Reihenfolge der notwendigen Maßnahmen dar. Stark blutende Wunden, akute Bedrohungen werden zuerst versorgt. Da Elkes Verletzung noch blutet, muss sie auf die Untersuchung nicht lange warten. Nach erster ärztlicher Abklärung, oder auch nach dem Röntgen des verletzten Körperteils muss sich so auch Elke zur weiteren Behandlung wieder in die lange Reihe der Wartenden einfügen. Endlich ist auch die komplizierteste Verletzung versorgt, jetzt gilt es nur noch den ärztlichen Bericht zur weiteren Behandlung durch einen niedergelassenen Arzt, nach einer weiteren Wartezeit, entgegen zu nehmen.

In der Nähe des Wartesaals befindet sich ein kleiner Kiosk, in der einfache Speisen und Getränke zur Stillung von Hunger und Durst während der andauernden Wartezeit angeboten werden.

Ausländische Patienten müssen gewisse Dienstleistungen bezahlen. Aber nicht in allen Krankenhäusern ist die Rechnungsabteilung im Gebäude der Notaufnahme angesiedelt, sodass die Rechnung in diesem Fall wohl an die Heimatadresse von Elke, die privat versichert ist, oder an ihre Krankenversicherung verschickt wird.

Zum Glück ist der Unfall, abgesehen von der langen Wartezeit doch glimpflich ausgegangen. Die weitere Behandlung erfolgt im Centro de Salud de la Zona. Dies ist eine städtische Einrichtung, in der Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen arbeiten. Einfache Behandlungen wie Blutabnahmen, Verbandswechsel oder das ziehen von Fäden wird selbständig von medizinischem Fachpersonal, Krankenschwestern, vorgenommen.  Ein spanischer Arzt kümmert sich umsichtig um die weitere Versorgung. Bald kann Elke ihre Reise fortsetzen.

Besuch des arktischen Museums in Rovaniemi

Auf Empfehlung unserer Bekannten Jutta Z. aus Kirchheim fahren wir nach Rovaniemi zum Arktikum. Als sie von unserer geplanten Reise in den Norden Europas erfuhr, hat sie uns von diesem Museum vorgeschwärmt.

Am Zusammenfluss von Kemijoki und Ounasjoki liegt das Gebäude mit einer langen, gewölbten Glaskuppel, das von einer dänischen Architektengruppe entworfen wurde. In den Innenräumen wurden ausschließlich lappländische Baustoffe und Materialien verwendet.

Arktikum

Einen Überblick über das Leben der Menschen in einer Region, die durch extreme klimatische Bedingungen gekennzeichnet ist, bietet das arktische Zentrum. Mit interaktiven Installationen können die Auswirkungen des Klimawandels erfahren werden.

Die Ausstellungen des Provinzmuseums von Lappland stellen die Geschichte und Kultur von Lappland dar. Von Prähistorischer Zeit bis zur Gegenwart wird das Leben der Menschen und der Überlebenskampf der Inuit und Sami beschrieben. Lebensgroße Darstellungen veranschaulichen Handel und Handwerk im rauen Leben in der Arktis.

Die Auswirkungen des Lappländischen Krieges 1944/1945 zeigt ein Modell. Die Zerstörungen beim Rückzug der deutschen Besatzungsmacht hinterliessen eine abgebrannte Stadt. Die „Taktik der verbrannten Erde“ liess nur die steinernen Kamine stehen. Deshalb wurde Rovaniemi noch lange „die Schornsteinwald-Halbinsel“ genannt.

Im Jahr unseres Besuches feiert Finnland seine 100jährige Unabhängigkeit. Im „Frieden von Brest-Litovsk“ wird Finnland als selbständiger Staat festgeschrieben. Auch dieses Ereignis findet seine Würdigung mit einer Sonderausstellung.

Arktikum

Im Museums-Restaurant geniessen wir regionale Speisen. Besonders mundet uns Geschnetzeltes vom Rentier und der Saft heimischer Beeren.

Mit dem Auto zum Nordkap

71°10’21“

Der Reiz der bizarren Landschaft führt uns durch Nordfinnland vorbei am Inarisee bis nach Norwegen ans Nordkap.

In Lakselv sehen wir Geländewagen, die Angelruten außen am Fahrzeug befestigt haben, und Verkehrsschilder warnen vor  berittenen Elchen. Im Nordkapptunelen begegnet uns eine Gruppe von Fahrradfahrern mit schwerem Gepäck. DerTunnel ist ca. 7 km lang und an der tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel.

Nordkap

Die Unterkunft im Vandererhem, ein Hostal in Honningsvag, wurde schon vorher ausgewählt und reserviert. Hier werden wir 2 Nächte verbringen. In der Selbstversorgerküche sind abends viele Nationen vertreten.

Gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück fahren wir los. Wie auf einem Damm schlängelt sich die schmale Straße durch den undurchdringlichen Nebel. Abgrundtief am Hang und teilweise ohne Leitplanken.

Das Nordkap ist der nördlichste Punkt Europas, der auf Straßen vom Festland erreicht werden kann. Vor ca. 21000 Jahren bedeckt die letzte Eiszeit diese Region.

Ein englischer Kapitän tauft 1553, auf der Suche nach der Nord-Ost-Passage nach China, das 300 m steil aus dem Meer aufragende Plateau „North Cape“.Seit 1861 ist es Tradition, bei der Ankunft hier Champagner zu trinken. Mit der Gründung des 1. Postamts wird ein Champagner-Ausschank dort fest eingerichtet. Der Globus, errichtet 1977, wurde zum Symbol des Nordkaps.

Der Eintritt in die Nordkaphalle ist frei, es werden nur Parkgebühren erhoben. In der Halle finden wir verschiedene Ausstellungen, die einen Einblick in die Geschichte des Kaps bieten. Die Mitternachtssonne kann man, egal zu welcher Jahreszeit und bei welchem Wetter, im Panoramafilm sehen. Ebenfalls befindet sich hier das nördlichste Postamt Europas.

Wir haben Glück, der gestrige Sturm, der das Betreten der Außenanlage verhinderte, hat sich gelegt. Wir können hinaus auf die Aussichtsterrasse. Aber es herrscht starker Nebel, sodaß wir den Ozean nicht sehen. Nach ein paar Erinnerungsfotos unter dem Globus hissen wir, wie versprochen, die DGB-Fahne. Unseren Besuch runden wir mit dem Genuss des Nordkapsektes in der Aurora Borealis Bar ab.

Mitte der 70er Jahre reisen vier Freunde von uns im VW-Bus in Richtung Nordkap. Wegen eines Getriebeschadens ist ihre Reise in Hammerfest beendet. Nach der Reparatur bleibt nur noch Zeit für die Rückreise.

Auf dem Heimweg nach Honningsvag machen wir an einem Restaurant halt, das Seespinnen als Spezialität anbietet.

Am nächsten Tag fahren wir zu unserem Wohnwagen nach Kemijärvi zurück. Unterwegs besuchen wir ein Museum der Samen in Karasjok, das die Geschichte und die Lebensweise dieser ethnischen Minderheit beschreibt.

Kurz vor unserem Ziel müssen wir einen unfreiwilligen Stopp einlegen, eine Rentierherde ohne Hirte überquert die Straße.

Ursprünglich wollten wir mit dem Linienbus dorthin fahren. Im Reisebüro in Kemijärvi kann uns niemand eine Fahrkarte vermitteln. Im Internet werden wir fündig, ein Reisebus fährt tatsächlich bis ans Nordkap. Nach Mitternacht fährt er zurück. Aber in Honningsvag macht er mitten in der Nacht vier Stunden Pause. Dies und der hohe Preis halten uns von diesem Angebot ab.