Boviksbadet an der „nordischen Riviera“

Der Campingplatz in Boviksbadet, direkt an der Ostsee, lockt uns.  Wollen wir doch endlich wieder einmal im Meer baden. Wir ergattern einen Stellplatz in unverbaubarer Halbhöhenlage mit Blick auf die See. Obwohl die Ostsee sehr flach ist geniessen wir das Baden im 18° C warmen Wasser.

Unser Nachbar, ein Dauercamper, ist sehr interessiert an uns. Er ist zwar sehr  beschäftigt an seinem Wohnwagen, aber auf ein Schnäpschen kommt er gern zu uns. Die Unterhaltung ist etwas schwierig, da er nicht englisch und wir nicht schwedisch sprechen.

Ein kleiner Spaziergang am Ufer des Meeres führt uns an einem Lagerfeuer vorbei. Die Gruppe aus Norwegen fordert uns auf, bei ihnen Platz zu nehmen. Gerne nehmen wir die Einladung an. Bis spät in die Nacht sitzen wir zusammen und tauschen unsere Erlebnisse aus. Sie verbringen hier an der „warmen Ostsee“  ihren Sommerurlaub.

Boviksbadet

Am Wochende tritt eine Coverband am Kiosk des Campingplatzes auf. Schwedische Besucher reisen mit amerikanischen Schlitten an. Die Band nennt sich Mucho Mojo und es fliesst auch mucho Alkohol. Zum Glück haben die schwedischen Freunde ihre Fahrer, die nüchtern bleiben.

 

Angeln im Byskeälven

Im  Touristbüro in Skelleftea, der nächstgelegenen Stadt, finden wir eine Broschüre, die das Angeln auf Lachse im nahe gelegenen Byskeälven beschreibt. Der Byskefluss ist in dieser Gegend ein bekannter Lachsfluss. Eine Angelerlaubnis sei im Campingplatz am Fluss erhältlich. Natürlich fahren wir hin. Die Broschüre ist leider nicht aktuell. Die Erlaubnis muss man jetzt im Sportgeschäft kaufen. Es ist Samstagmittag und der Laden hat bereits geschlossen.

Am Montag verkauft mir die Besitzerin gerne eine Angelkarte. Ihr Mann weist mich daraufhin, dass die Saison zwischen Mai und Juni ist. Die Chancen seien jetzt, Ende Juli, sehr gering einen kapitalen Lachs zu fangen. Trotzdem will ich mein Glück versuchen. Er hat recht, obwohl ich es an mehreren Stellen versuche, gehe ich ohne Biss zurück zum Campingplatz.

 

 

 

Haparanda, Stadt der Träumer

Unser Weg führt uns weiter nach Haparanda. Aber der Wohnwagen steht im nächstgelegenen Campingplatz in Kukkolaforsen am Romanjeki. Eine alte Fischerstadt, in der man nach alter Tradition mit einem langstieligen Kescher fischt. Jetzt ist Saison, die Fische ziehen zum Laichen in die Quellgebiete des Flusses.

Im nahegelegenen Museumsdorf wird gezeigt, wie die Wasserkraft zum Antrieb von Holzbearbeitungsmaschinen und Getreidemühle benutzt wurde. Das historische Rathaus mit der Uhr, die mit Glockenschlägen die Zeit in der gefischt werden durfte, bestimmte.

In dem Roman Heimatmuseum von Siegfried Lenz träumen die Hauptfiguren von Haparanda, als Ziel ihrer Flucht vor dem beginnenden Faschismus in Ostpreussen. An der Grenze zwischen Schweden und Finnland gelegen, erhoffen sie sich eine neue Zukunft und Heimat zu finden. Letztendlich hatten sie jedoch nicht den Mut ihre alte Heimat zu verlassen.

Thomas Cook behauptete, dass man im Leben mindestens die Städte Timbuktu, Samarkant und Haparanda besuchen müsste.

Dies sind die Gründe warum auch wir den Weg nach Haparanda nehmen. Was für eine Enttäuschung. Anstatt des blühenden Lebens und kultureller Sehenswürdigkeiten zeigt sich für uns die Tristess einer verschlafenen Kleinstadt. Leere Strassen, ein leeres Restaurant und verlassene Bänke im Cafe am Flussufer.

Was für ein Unterschied zu Tornio, der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite des Romanjeki. Gartenwirtschaften und Einkaufszentren mit geschäftigen Passanten prägen das Flair dieser finnischen Stadt.

Als Lenin im Frühjahr 1917 mit Schlitten den noch gefrorenen Fluss überquerte, begann hier das russische Zarenreich. Wegen unterschiedlicher Spurweiten musste er hier auf seinem Weg nach St. Petersburg den Zug wechseln. Ein gefährliches Unternehmen, aufgrund des brüchigen Eises und der Angst vom russischen Grenzposten zurückgewiesen, oder gar verhaftet zu werden.

Im Bahnhof von Tornio soll eine Plakette heute noch auf dieses historische Ereignis hinweisen. Leider können wir den Bahnhof während unseres kurzen Aufenthaltes nicht finden.

Auf welche Erlebnisse muss man sich gefasst machen, wenn man Timbuktu und Samarkant bereist?

Besuch des arktischen Museums in Rovaniemi

Auf Empfehlung unserer Bekannten Jutta Z. aus Kirchheim fahren wir nach Rovaniemi zum Arktikum. Als sie von unserer geplanten Reise in den Norden Europas erfuhr, hat sie uns von diesem Museum vorgeschwärmt.

Am Zusammenfluss von Kemijoki und Ounasjoki liegt das Gebäude mit einer langen, gewölbten Glaskuppel, das von einer dänischen Architektengruppe entworfen wurde. In den Innenräumen wurden ausschließlich lappländische Baustoffe und Materialien verwendet.

Arktikum

Einen Überblick über das Leben der Menschen in einer Region, die durch extreme klimatische Bedingungen gekennzeichnet ist, bietet das arktische Zentrum. Mit interaktiven Installationen können die Auswirkungen des Klimawandels erfahren werden.

Die Ausstellungen des Provinzmuseums von Lappland stellen die Geschichte und Kultur von Lappland dar. Von Prähistorischer Zeit bis zur Gegenwart wird das Leben der Menschen und der Überlebenskampf der Inuit und Sami beschrieben. Lebensgroße Darstellungen veranschaulichen Handel und Handwerk im rauen Leben in der Arktis.

Die Auswirkungen des Lappländischen Krieges 1944/1945 zeigt ein Modell. Die Zerstörungen beim Rückzug der deutschen Besatzungsmacht hinterliessen eine abgebrannte Stadt. Die „Taktik der verbrannten Erde“ liess nur die steinernen Kamine stehen. Deshalb wurde Rovaniemi noch lange „die Schornsteinwald-Halbinsel“ genannt.

Im Jahr unseres Besuches feiert Finnland seine 100jährige Unabhängigkeit. Im „Frieden von Brest-Litovsk“ wird Finnland als selbständiger Staat festgeschrieben. Auch dieses Ereignis findet seine Würdigung mit einer Sonderausstellung.

Arktikum

Im Museums-Restaurant geniessen wir regionale Speisen. Besonders mundet uns Geschnetzeltes vom Rentier und der Saft heimischer Beeren.

Mit dem Auto zum Nordkap

71°10’21“

Der Reiz der bizarren Landschaft führt uns durch Nordfinnland vorbei am Inarisee bis nach Norwegen ans Nordkap.

In Lakselv sehen wir Geländewagen, die Angelruten außen am Fahrzeug befestigt haben, und Verkehrsschilder warnen vor  berittenen Elchen. Im Nordkapptunelen begegnet uns eine Gruppe von Fahrradfahrern mit schwerem Gepäck. DerTunnel ist ca. 7 km lang und an der tiefsten Stelle 212 m unter dem Meeresspiegel.

Nordkap

Die Unterkunft im Vandererhem, ein Hostal in Honningsvag, wurde schon vorher ausgewählt und reserviert. Hier werden wir 2 Nächte verbringen. In der Selbstversorgerküche sind abends viele Nationen vertreten.

Gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück fahren wir los. Wie auf einem Damm schlängelt sich die schmale Straße durch den undurchdringlichen Nebel. Abgrundtief am Hang und teilweise ohne Leitplanken.

Das Nordkap ist der nördlichste Punkt Europas, der auf Straßen vom Festland erreicht werden kann. Vor ca. 21000 Jahren bedeckt die letzte Eiszeit diese Region.

Ein englischer Kapitän tauft 1553, auf der Suche nach der Nord-Ost-Passage nach China, das 300 m steil aus dem Meer aufragende Plateau „North Cape“.Seit 1861 ist es Tradition, bei der Ankunft hier Champagner zu trinken. Mit der Gründung des 1. Postamts wird ein Champagner-Ausschank dort fest eingerichtet. Der Globus, errichtet 1977, wurde zum Symbol des Nordkaps.

Der Eintritt in die Nordkaphalle ist frei, es werden nur Parkgebühren erhoben. In der Halle finden wir verschiedene Ausstellungen, die einen Einblick in die Geschichte des Kaps bieten. Die Mitternachtssonne kann man, egal zu welcher Jahreszeit und bei welchem Wetter, im Panoramafilm sehen. Ebenfalls befindet sich hier das nördlichste Postamt Europas.

Wir haben Glück, der gestrige Sturm, der das Betreten der Außenanlage verhinderte, hat sich gelegt. Wir können hinaus auf die Aussichtsterrasse. Aber es herrscht starker Nebel, sodaß wir den Ozean nicht sehen. Nach ein paar Erinnerungsfotos unter dem Globus hissen wir, wie versprochen, die DGB-Fahne. Unseren Besuch runden wir mit dem Genuss des Nordkapsektes in der Aurora Borealis Bar ab.

Mitte der 70er Jahre reisen vier Freunde von uns im VW-Bus in Richtung Nordkap. Wegen eines Getriebeschadens ist ihre Reise in Hammerfest beendet. Nach der Reparatur bleibt nur noch Zeit für die Rückreise.

Auf dem Heimweg nach Honningsvag machen wir an einem Restaurant halt, das Seespinnen als Spezialität anbietet.

Am nächsten Tag fahren wir zu unserem Wohnwagen nach Kemijärvi zurück. Unterwegs besuchen wir ein Museum der Samen in Karasjok, das die Geschichte und die Lebensweise dieser ethnischen Minderheit beschreibt.

Kurz vor unserem Ziel müssen wir einen unfreiwilligen Stopp einlegen, eine Rentierherde ohne Hirte überquert die Straße.

Ursprünglich wollten wir mit dem Linienbus dorthin fahren. Im Reisebüro in Kemijärvi kann uns niemand eine Fahrkarte vermitteln. Im Internet werden wir fündig, ein Reisebus fährt tatsächlich bis ans Nordkap. Nach Mitternacht fährt er zurück. Aber in Honningsvag macht er mitten in der Nacht vier Stunden Pause. Dies und der hohe Preis halten uns von diesem Angebot ab.

Über den Polarkreis nach Kemijärvi

Weiter Richtung Norden. Auf unserem Weg nach Kemijärvi überqueren wir den Polarkreis. Innerhalb dieser geographischen Grenze geht am 21. Juni die Sonne nicht unter.

Polarkreis

An der Nordspitze Europas scheint die Sonne mehr als 2 Monate lang, ohne unterzugehen. Die Mitternachtssonne und die Veränderung der Vegetation haben unser Interesse geweckt. Wälder mit verkrüppelten Nadelbäumen und eher buschartigen Birken, strömende Flüsse, breit wie Seen,  Rentiere vereinzelt oder in kleinen Herden.

Auf dem kleinen Campingplatz am Rande der Stadt und am Ufer des gleichnamigen Sees, Kemijärvi, stellen wir unseren Wohnwagen ab. Nur wenige Camper haben den Weg hierher gefunden.

Mit ca. 8000 Einwohnern ist sie die nördlichste Stadt Finnlands und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Ostlappland. Holzverarbeitende Industrie und Tourismus sind die Einnahmequellen in dieser Region. Im Winter locken Motorschlittenfahrten auf den zugefrorenen Gewässern und Skiabfahrten im nahegelegenen Skigebiet Pyhä.

Auf dem Weg in die Stadt beobachten wir im weitläufigen Stadtpark Jugendliche beim Disc-Golf spielen. Ziel dieser uns unbekannten Sportart ist, Frisbee-Scheiben mit möglichst wenig Würfen in die aufgestellten Fangkörbe zu platzieren. Wie beim Golfspiel sind hier größere Distanzen von Korb zu Korb zu überwinden.

Auch die Senioren sind sportlich unterwegs. Mit ihren Rollatoren überholen sie uns mühelos. Diese Mobilitätshilfen sind in diesem ländlichen Raum als Tretroller ausgelegt. Es gibt zahlreiche Varianten.

Die Suche nach einem preiswerten Mittagessen führt uns ins Hotel-Restaurant. Ein Lunch-Büfett, auf finnisch: Lounas, sättigt uns mit seinem vielfältigen Angebot. Der Preis, ca. 12 Euro, ist im Voraus zu entrichten. Suppe, Salate, kalte Vorspeisen und 3 Hauptgerichte machen uns die Auswahl schwer. Auf der großen Speisekarte steht auch Bär, aber diese Spezialität probieren wir nicht.

Beim Einkaufen im nahen Supermarkt wundern wir uns über einheimische Frauen, die an Glückspielautomaten hinter den Kassen ihre Chance suchen. Leider gewinnt auch in Finnland meistens der Automat.

Von einem Friseurbesuch sehen wir ab. 45 Euro sind uns nur für einen Haarschnitt etwas zu teuer.

Natürlich bietet auch dieser Campingplatz eine Sauna an. Diesmal nicht im Preis enthalten. Man kann sie für eine bestimmte Zeit mieten. Dafür gehört sie uns allein. Über den Steg kühlen wir uns nackt im See ab.

Zum Angeln nach Taivalkoski

Nach den letzten Besichtigungstouren ist wiedermal Ausspannen angesagt. Aber wohlgemerkt nicht Faulenzen. Auf gehts nach Taivalkoski.

Die Gemeinde Taivalkoski liegt nahe der Russischen Grenze und hat im Wappen rote Tannenbäume und eine Baumsäge. Sie ist so gross wie das Saarland, hat rund 4000 Einwohner und eine Wasserfläche von rund 210 km². Der Campingplatz liegt mitten im Wald in einer hügeligen Landschaft und umgeben von zwei Seen. Bei unserer Ankunft wird schnell deutlich, warum sich so viele Menschen mitten im Nirgendwo oder auf schwäbisch „hender Pfui-Deifel“ mit ihren Wohnwägen versammeln. Der Besitz mindestens einer Angelrute scheint Pflicht zu sein und Männer und Frauen fröhnen ihrem Hobby mit viel Hingabe.

Wir haben uns hierher unter der Überschrift: „Der alte Mann und ein Fisch“ auf den Weg gemacht.

Auch hier ist zum Aufwärmen, Entspannen oder wegen der Geselligkeit die Sauna im Preis inbegriffen. Diesmal Männer und Frauen wie üblich getrennt, aber zur gleichen Zeit, sodass wir diesmal beide teilnehmen. In der Umkleide zur Frauensauna ist besonders der Flaschenöffner auffällig, der stammt noch aus der Zeit, in der man Bier noch aus Flaschen trank statt aus Dosen, und besondere Papierunterlagen, damit man nicht auf sein Handtuch sitzen muss.

Am nächsten Tag ist Angeln angesagt. Ein schöner, einsamer Standplatz am Ufer des großen See‘s ist schnell gefunden. Die ersten Würfe mit der Fliegenrute zeigen aber leider: Fliegen mögen die Fische hier nicht so sehr. Aber auf einen kleinen Blinker fallen sie schon herein.

Während des Angelns erkundet Anita mit ihren Stöcken die Umgebung und sucht an Weggabelungen nach Orientierungshilfen für den Rückweg. Wegmarkierungen gibt es nicht und die Route ist 1 Stunde weg und 1 Stunde zurück. Über Stock und Stein, Hügel und Tal, verfolgt von bedrohlich großen und laut brummenden, fliegenden Insekten, die ihren Stachel schon gewetzt haben, kommt sie rechtzeitig zurück. Denn inzwischen hat Wolfgang eine stattliche Forelle im Kescher gelandet.

Taivalkoski

Zubereitet und gegessen wird der Fisch in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes, da es inzwischen in Strömen regnet.

Eine Wetterbesserung ist leider nicht in Sicht, deshalb fahren wir am nächsten Tag weiter in Richtung Polarkreis.

Unterwegs in Finnisch Karelien

Von Helsinki aus starten wir in Richtung Karelien. Als unseren Standort wählen wir einen Campingplatz am Valkealampl-See in der Nähe der Koliberge. Die bewaldeten Berge von Koli, bekannt durch ihre vielfältige Natur und Kultur, genauso wie durch ihre einzigartige Geologie weckt unsere Neugier. In vorchristlicher Zeit eine Opferstätte, deren mächtige Geister ihren Sitz dort heute noch haben sollen.

Der Blick von diesen Bergen, die sich 253 m über die finnische Seenplatte erheben, bietet eines der reizvollsten Landschaftsbilder im ansonsten recht flachen Finnland. Geformt durch die mächtigen Gletscher der Eiszeit überragen heute die Koliberge die Seenlandschaft. Bei unserem Besuch sind wir von der Landschaft sehr beeindruckt, gilt sie doch als Spiegelbild des finnischen Nationalgefühls schlechthin.

Koli-Berge

Auf unserem Campingplatz geniessen wir die traditionellen Sitten der finnischen Kultur. Täglich werden Saunagänge angeboten. Allerdings getrennt nach Geschlechtern. Im Gegensatz zu unserer Gewohnheit unterhält man sich in der Sauna lautstark. Neueste Nachrichten oder Anekdoten werden ausgetauscht. Den Aufguß macht der, der ihn für nötig hält. Die Pausen dazwischen richten sich nach dem Interesse an der Unterhaltung. Natürlich macht ein solcher Besuch auch durstig und man/frau nimmt deswegen auch gerne eine Flasche Bier mit. Zur Abkühlung badet man im See……..im Badeanzug. Am Ende des Saunaganges verlassen die Frauen die Sauna und danach belegen die Männer die Bänke.

Karelien

„Der Sommer ist recht kurz in Finnland“, erklärte uns ein deutscher Einwanderer, der nach seinem Studium in Helsinki hängen blieb, „wenn wir Glück haben, fällt er auf ein Wochenende.“

Koli

Die blutrünstigen Tiere Skandinaviens halten sich glücklicherweise zurück. Um Moskitos zu füttern sind wir auch nicht hier.

 

Abstecher nach Kuopio

Von Koli aus unternehmen wir einen Abstecher nach Kuopio. Diese Region ist voller Wälder und Seen und das kulturelle Angebot der größten Stadt Ostfinnlands ist sehr umfangreich. Deswegen zählt Kuopio zu den beliebtesten Ausflugszielen der Gegend.

Uns reizt die Markthalle in ihrem eigenwilligen Jugendstil. Reichhaltig ist das Angebot an finnischen Leckerbissen. Eine ganz besondere Spezialität ist Kalakukko, das ist Fisch oder Fleisch eingebacken in Roggenbrot, die es nur hier gibt. Wir probieren die Variante mit Lohi, also mit Lachs, die uns sehr gut schmeckt.

Ein Stand bietet karelisches Lammfleisch an. Obwohl der Metzger gerade schliessen will, wirft er für uns die bereits geputzte Bandsäge noch mal an und sägt uns ein gutes Stück von der Keule ab. Auf dem Wochenmarkt vor der Markthalle kaufen wir das dazugehörige Gemüse. Wir freuen uns auf einen köstlichen Lammbraten karelischer Art.

Porvoo lädt zum Bummeln ein

Nur eine Stunde von Helsinki entfernt liegt am gleichnamigen Fluss die mittelalterliche Handelsstadt Porvoo. Die dort ansässigen Schweden, ungefähr ein Drittel der städtischen Einwohner, nennen sie Borga. Sie wurde zu Füssen einer Burg im frühen 14. Jahrhundert gegründet und ist damit die zweitälteste Stadt nach Turku. Die roten Magazine am Fluß sowie die alten Bürger- und Kaufmannshäuser lassen heute noch auf den Reichtum im Mittelalter schliessen.

Im Zentrum der Altstadt trifft man auf das Simolin-Haus, das älteste Kaufhaus Finnlands. Das gelbe Steinhaus wurde 1854 eröffnet und ist heute noch in Betrieb. Neben den Verkaufsräumen befindet sich dort auch ein kleines und preiswertes Restaurant, in dem auch wir uns stärken.

Über schmale kopfsteingepflasterte Gässchen gelangen wir zur Teufelstreppe, deren Felsformationen nach altem Aberglauben vom Teufel selbst, ähnlich einer Treppe, modelliert worden sein soll.

Auf einem Hügel steht das alte Rathaus. Es ist eines der ältesten Rathäuser Finnlands. Es wurde 1764 fertiggestellt, heute dient es als Museum.

Porvoo

Der Königsweg, der von Turku nach Vyborg verlief, führt uns auf die alte Brücke. Von hier aus zeigen sich die Magazine, die alten Lagerhallen am Porvoojoki, der Dom und die malerische Altstadt. Porvoo ist für diese Lagerhallen berühmt. Um ihre Fracht zu löschen und neue Handelsgüter aufzunehmen segelten einst die Schiffe von der Ostsee bis hierher.

Porvoo

In der Nähe unseres Parkplatzes hat ein Künstler Straßenbegrenzungssteine für seine Kunstwerke auserwählt.

Helsinki, zum Glück zweisprachig

Nach kurzer Überfahrt erreichen wir Helsinki. Unser Campingplatz heißt Rastila und liegt am Rande der Stadt. Auch für Feldhasen besitzt er eine gewisse Attraktivität. In der Nähe liegt ein S-Bahn-Anschluß, sodaß wir das Zentrum leicht erkunden können.

Helsinki

Die Tochter der Ostsee, wie Helsinki auch gerne genannt wird, hat besonderes Flair. Das spüren wir sofort. Der Marktplatz ist das Herz der Stadt. Ein buntes Markttreiben beherrscht den Platz das ganze Jahr. Er grenzt direkt an den Südhafen an. Unweit, an der Wasserseite des Eteläranta ist in einem gelbroten Ziegelgebäude die alte Markthalle untergebracht. In ihr werden die Köstlichkeiten Finnlands angeboten: Elch- und Rentierfleisch, Fisch in jeglicher Zubereitung, finnisches Gebäck, Obst und Gemüse. Imbißstände laden zum Genießen ein. Helsinki verkraftet die Vielzahl der Touristen besser als Tallinn, im Trubel der Markthalle und auf dem Marktplatz verlieren sie sich in der Menge.

Am Kai des Südhafens bereiten Imbißstände verschiedenste Fischgerichte zu. Auch wir wollen von diesen Spezialitäten kosten. In Zelten neben den Ständen laden rustikale Tische und Bänke zum Essen ein. Auf der Suche nach freien Plätzen geht plötzlich ein Rauschen durch die Luft. Möwen versuchen auf aggressive Art ihren Anteil vom Essen zu erstreiten. Aber nicht nur am Meer sondern auch am Campingplatz muß man auf Möwen aufpassen. Angelockt vom Geruch des Holzkohlegrills suchen sie sich auch hier ihr Beute.

Ein weiteres Wahrzeichen ist die Domkirche, die auf einem Hügel trohnt. An den  Domplatz grenzt das Regierunspalais und das älteste Steinhaus Helsinkis.

Helsinki

Beim Bahnhof, ein monumentaler Kopfbahnhof von dem man direkt nach Moskau fahren kann, liegt das Restaurant Vltava, das tschechisches Bier und Becherovka anbietet. Trotz der hohen Preise können wir dieser Versuchung nicht widerstehen. Allerdings prosten wir uns nicht wie in Finnland üblich mit Kipis zu, sondern sagen genußvoll Schlürfis.

Die Orientierung in Helsinki ist nicht schwer. Die Beschriftung der Straßenschilder ist zweisprachig, nämlich in für uns unverständlichem Finnisch und ……Schwedisch. So kommt man leicht zurecht.

Helsinki

Neoklassizistische und Jugendstil-Gebäude säumen die Esplanade, die heute eine prächtige Einkaufstraße ist. Beim ersten Versuch einen mobilen Router zu erstehen, werden wir an den R-Kioski verwiesen. Diese R-Kioskis bieten alles was man so braucht: einfache Speisen, Getränke aller Art, natürlich Zigaretten und eine große Auswahl elektrischer und elektronischer Geräte. Auch unseren Wunsch kann er erfüllen. Ab jetzt haben wir überall Zugang zum Internet.

 

 

 

Bienvenidos al Paraiso

Nach der Abfahrt am Morgen aus Valencia erreichen wir Cartagena. Das Navi schlägt uns wieder engste Gässchen vor und vom Meer ist noch weit und breit nichts zu sehen. Hektisch überprüfen wir unsere Eingabe. Alles entspricht den Angaben des Campingführers. Da plötzlich ein Wegweiser nach Portus. Vor uns liegt aber immer noch eine bergige Landschaft. Unvorstellbar, daß nur noch wenige Kilometer zwischen uns und dem Meer sein sollen. Nach kurzer Zeit eröffnen die Berge den Blick in ein Tal und wir sehen das Meer und das Portal zum „Camping Naturista El Portus“, der uns mit den Worten Bienvenidos al Paraiso begrüßt.

Schon vor der Abreise hatten wir große Erwartungen an unser Winterquartier. Im Internet ließ der Platz keine Wünsche offen. Tatsächlich entspricht alles unseren Vorstellungen. Wir finden eine Parzelle in der zweiten Reihe zum Meer. Wir sind glücklich. Unsere Nachbarn begrüßen uns herzlich und bieten uns ihre Hilfe und Erfahrung an. Viele sind jeden Winter hier, schon seit mehr als 10 Jahren. Bei Temperaturen von aktuell 20° C Luft und 19° C Wasser vergisst man leicht den Winter in Deutschland.

Allerdings leben wir hier nicht nur wie im Paradies und, obwohl wir uns hüten einen Apfel zu essen, sind wir los reclusos del barranco, die Gefangenen der Schlucht. Allen Unbillen der Natur ausgeliefert.