Über den Polarkreis nach Kemijärvi

Weiter Richtung Norden. Auf unserem Weg nach Kemijärvi überqueren wir den Polarkreis. Auf dieser geographischen Grenze geht am 21. Juni die Sonne nicht unter.

Polarkreis

An der Nordspitze Europas scheint die Sonne mehr als 2 Monate lang, ohne unterzugehen. Die Mitternachtssonne und die Veränderung der Vegetation haben unser Interesse geweckt. Wälder mit verkrüppelten Nadelbäumen und eher buschartigen Birken, strömende Flüsse, breit wie Seen,  Rentiere vereinzelt oder in kleinen Herden.

Auf dem kleinen Campingplatz am Rande der Stadt und am Ufer des gleichnamigen Sees, Kemijärvi, stellen wir unseren Wohnwagen ab. Nur wenige Camper haben den Weg hierher gefunden.

Mit ca. 8000 Einwohnern ist sie die nördlichste Stadt Finnlands und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Ostlappland. Holzverarbeitende Industrie und Tourismus sind die Einnahmequellen dieser Stadt. Im Winter locken Motorschlittenfahrten auf den zugefrorenen Gewässern und Skiabfahrten im nahegelegenen Skigebiet Pyhä.

Auf dem Weg in die Stadt beobachten wir im weitläufigen Stadtpark Jugendliche beim Disc-Golf spielen. Ziel dieser uns unbekannten Sportart ist, Frisbee-Scheiben mit möglichst wenig Würfen in die aufgestellten Fangkörbe zu platzieren. Wie beim Golfspiel sind hier größere Distanzen von Korb zu Korb zu überwinden.

Auch die Senioren sind sportlich unterwegs. Mit ihren Rollatoren überholen sie uns mühelos. Diese Mobilitätshilfen sind in diesem ländlichen Raum als Tretroller ausgelegt. Es gibt zahlreiche Varianten.

Die Suche nach einem preiswerten Mittagessen führt uns ins Hotel-Restaurant. Ein Lunch-Büfett, auf finnisch: Lounas, sättigt uns mit seinem vielfältigen Angebot. Der Preis, ca. 12 Euro, ist im Voraus zu entrichten. Suppe, Salate, kalte Vorspeisen und 3 Hauptgerichte machen uns die Auswahl schwer. Auf der großen Speisekarte steht auch Bär, aber diese Spezialität probieren wir nicht.

Beim Einkaufen im nahen Supermarkt wundern wir uns über einheimische Frauen, die an Glückspielautomaten hinter den Kassen ihre Chance suchen. Leider gewinnt auch Finnland meistens der Automat.

Von einem Friseurbesuch sehen wir ab. 45 Euro sind uns nur für einen Haarschnitt etwas zu teuer.

Natürlich bietet auch dieser Campingplatz eine Sauna an. Diesmal nicht im Preis enthalten. Man kann sie für eine bestimmte Zeit mieten. Dafür gehört sie uns allein. Über den Steg kühlen wir uns nackt im See ab.

Zum Angeln nach Taivalkoski

Nach den letzten Besichtigungstouren ist wiedermal Ausspannen angesagt. Aber wohlgemerkt nicht Faulenzen. Auf gehts nach Taivalkoski.

Die Gemeinde Taivalkoski liegt nahe der Russischen Grenze und hat im Wappen rote Tannenbäume und eine Baumsäge. Sie ist so gross wie das Saarland, hat rund 4000 Einwohner und eine Wasserfläche von rund 210 km². Der Campingplatz liegt mitten im Wald in einer hügeligen Landschaft und umgeben von zwei Seen. Bei unserer Ankunft wird schnell deutlich, warum sich so viele Menschen mitten im Nirgendwo oder auf schwäbisch „hender Pfui-Deifel“ mit ihren Wohnwägen versammeln. Der Besitz mindestens einer Angelrute scheint Pflicht zu sein und Männer und Frauen fröhnen ihrem Hobby mit viel Hingabe.

Wir haben uns hierher unter der Überschrift: „Der alte Mann und ein Fisch“ auf den Weg gemacht.

Auch hier ist zum Aufwärmen, Entspannen oder wegen der Geselligkeit die Sauna im Preis inbegriffen. Diesmal Männer und Frauen wie üblich getrennt, aber zur gleichen Zeit, sodass wir diesmal beide teilnehmen. In der Umkleide zur Frauensauna ist besonders der Flaschenöffner auffällig, der stammt noch aus der Zeit, in der man Bier noch aus Flaschen trank statt aus Dosen, und besondere Papierunterlagen, damit man nicht auf sein Handtuch sitzen muss.

Am nächsten Tag ist Angeln angesagt. Ein schöner, einsamer Standplatz am Ufer des großen See‘s ist schnell gefunden. Die ersten Würfe mit der Fliegenrute zeigen aber leider: Fliegen mögen die Fische hier nicht so sehr. Aber auf einen kleinen Blinker fallen sie schon herein.

Während des Angelns erkundet Anita mit ihren Stöcken die Umgebung und sucht an Weggabelungen nach Orientierungshilfen für den Rückweg. Wegmarkierungen gibt es nicht und die Route ist 1 Stunde weg und 1 Stunde zurück. Über Stock und Stein, Hügel und Tal, verfolgt von bedrohlich großen und laut brummenden, fliegenden Insekten, die ihren Stachel schon gewetzt haben, kommt sie rechtzeitig zurück. Denn inzwischen hat Wolfgang eine stattliche Forelle im Kescher gelandet.

Taivalkoski

Zubereitet und gegessen wird der Fisch in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes, da es inzwischen in Strömen regnet.

Eine Wetterbesserung ist leider nicht in Sicht, deshalb fahren wir am nächsten Tag weiter in Richtung Polarkreis.

Unterwegs in Finnisch Karelien

Von Helsinki aus starten wir in Richtung Karelien. Als unseren Standort wählen wir einen Campingplatz am Valkealampl-See in der Nähe der Koliberge. Die bewaldeten Berge von Koli, bekannt durch ihre vielfältige Natur und Kultur, genauso wie durch ihre einzigartige Geologie weckt unsere Neugier. In vorchristlicher Zeit eine Opferstätte, deren mächtige Geister ihren Sitz dort heute noch haben sollen.

Der Blick von diesen Bergen, die sich 253 m über die finnische Seenplatte erheben, bietet eines der reizvollsten Landschaftsbilder im ansonsten recht flachen Finnland. Geformt durch die mächtigen Gletscher der Eiszeit überragen heute die Koliberge die Seenlandschaft. Bei unserem Besuch sind wir von der Landschaft sehr beeindruckt, gilt sie doch als Spiegelbild des finnischen Nationalgefühls schlechthin.

Koli-Berge

Auf unserem Campingplatz geniessen wir die traditionellen Sitten der finnischen Kultur. Täglich werden Saunagänge angeboten. Allerdings getrennt nach Geschlechtern. Im Gegensatz zu unserer Gewohnheit unterhält man sich in der Sauna lautstark. Neueste Nachrichten oder Anekdoten werden ausgetauscht. Den Aufguß macht der, der ihn für nötig hält. Die Pausen dazwischen richten sich nach dem Interesse an der Unterhaltung. Natürlich macht ein solcher Besuch auch durstig und man/frau nimmt deswegen auch gerne eine Flasche Bier mit. Zur Abkühlung badet man im See……..im Badeanzug. Am Ende des Saunaganges verlassen die Frauen die Sauna und danach belegen die Männer die Bänke.

Karelien

„Der Sommer ist recht kurz in Finnland“, erklärte uns ein deutscher Einwanderer, der nach seinem Studium in Helsinki hängen blieb, „wenn wir Glück haben, fällt er auf ein Wochenende.“

Koli

Die blutrünstigen Tiere Skandinaviens halten sich glücklicherweise zurück. Um Moskitos zu füttern sind wir auch nicht hier.

 

Abstecher nach Kuopio

Von Koli aus unternehmen wir einen Abstecher nach Kuopio. Diese Region ist voller Wälder und Seen und das kulturelle Angebot der größten Stadt Ostfinnlands ist sehr umfangreich. Deswegen zählt Kuopio zu den beliebtesten Ausflugszielen der Gegend.

Uns reizt die Markthalle in ihrem eigenwilligen Jugendstil. Reichhaltig ist das Angebot an finnischen Leckerbissen. Eine ganz besondere Spezialität ist Kalakukko, das ist Fisch oder Fleisch eingebacken in Roggenbrot, die es nur hier gibt. Wir probieren die Variante mit Lohi, also mit Lachs, die uns sehr gut schmeckt.

Ein Stand bietet karelisches Lammfleisch an. Obwohl der Metzger gerade schliessen will, wirft er für uns die bereits geputzte Bandsäge noch mal an und sägt uns ein gutes Stück von der Keule ab. Auf dem Wochenmarkt vor der Markthalle kaufen wir das dazugehörige Gemüse. Wir freuen uns auf einen köstlichen Lammbraten karelischer Art.

Porvoo lädt zum Bummeln ein

Nur eine Stunde von Helsinki entfernt liegt am gleichnamigen Fluss die mittelalterliche Handelsstadt Porvoo. Die dort ansässigen Schweden, ungefähr ein Drittel der städtischen Einwohner, nennen sie Borga. Sie wurde zu Füssen einer Burg im frühen 14. Jahrhundert gegründet und ist damit die zweitälteste Stadt nach Turku. Die roten Magazine am Fluß sowie die alten Bürger- und Kaufmannshäuser lassen heute noch auf den Reichtum im Mittelalter schliessen.

Im Zentrum der Altstadt trifft man auf das Simolin-Haus, das älteste Kaufhaus Finnlands. Das gelbe Steinhaus wurde 1854 eröffnet und ist heute noch in Betrieb. Neben den Verkaufsräumen befindet sich dort auch ein kleines und preiswertes Restaurant, in dem auch wir uns stärken.

Über schmale kopfsteingepflasterte Gässchen gelangen wir zur Teufelstreppe, deren Felsformationen nach altem Aberglauben vom Teufel selbst, ähnlich einer Treppe, modelliert worden sein soll.

Auf einem Hügel steht das alte Rathaus. Es ist eines der ältesten Rathäuser Finnlands. Es wurde 1764 fertiggestellt, heute dient es als Museum.

Porvoo

Der Königsweg, der von Turku nach Vyborg verlief, führt uns auf die alte Brücke. Von hier aus zeigen sich die Magazine, die alten Lagerhallen am Porvoojoki, der Dom und die malerische Altstadt. Porvoo ist für diese Lagerhallen berühmt. Um ihre Fracht zu löschen und neue Handelsgüter aufzunehmen segelten einst die Schiffe von der Ostsee bis hierher.

Porvoo

In der Nähe unseres Parkplatzes hat ein Künstler Straßenbegrenzungssteine für seine Kunstwerke auserwählt.

Helsinki, zum Glück zweisprachig

Nach kurzer Überfahrt erreichen wir Helsinki. Unser Campingplatz heißt Rastila und liegt am Rande der Stadt. Auch für Feldhasen besitzt er eine gewisse Attraktivität. In der Nähe liegt ein S-Bahn-Anschluß, sodaß wir das Zentrum leicht erkunden können.

Helsinki

Die Tochter der Ostsee, wie Helsinki auch gerne genannt wird, hat besonderes Flair. Das spüren wir sofort. Der Marktplatz ist das Herz der Stadt. Ein buntes Markttreiben beherrscht den Platz das ganze Jahr. Er grenzt direkt an den Südhafen an. Unweit, an der Wasserseite des Eteläranta ist in einem gelbroten Ziegelgebäude die alte Markthalle untergebracht. In ihr werden die Köstlichkeiten Finnlands angeboten: Elch- und Rentierfleisch, Fisch in jeglicher Zubereitung, finnisches Gebäck, Obst und Gemüse. Imbißstände laden zum Genießen ein. Helsinki verkraftet die Vielzahl der Touristen besser als Tallinn, im Trubel der Markthalle und auf dem Marktplatz verlieren sie sich in der Menge.

Am Kai des Südhafens bereiten Imbißstände verschiedenste Fischgerichte zu. Auch wir wollen von diesen Spezialitäten kosten. In Zelten neben den Ständen laden rustikale Tische und Bänke zum Essen ein. Auf der Suche nach freien Plätzen geht plötzlich ein Rauschen durch die Luft. Möwen versuchen auf aggressive Art ihren Anteil vom Essen zu erstreiten. Aber nicht nur am Meer sondern auch am Campingplatz muß man auf Möwen aufpassen. Angelockt vom Geruch des Holzkohlegrills suchen sie sich auch hier ihr Beute.

Ein weiteres Wahrzeichen ist die Domkirche, die auf einem Hügel trohnt. An den  Domplatz grenzt das Regierunspalais und das älteste Steinhaus Helsinkis.

Helsinki

Beim Bahnhof, ein monumentaler Kopfbahnhof von dem man direkt nach Moskau fahren kann, liegt das Restaurant Vltava, das tschechisches Bier und Becherovka anbietet. Trotz der hohen Preise können wir dieser Versuchung nicht widerstehen. Allerdings prosten wir uns nicht wie in Finnland üblich mit Kipis zu, sondern sagen genußvoll Schlürfis.

Die Orientierung in Helsinki ist nicht schwer. Die Beschriftung der Straßenschilder ist zweisprachig, nämlich in für uns unverständlichem Finnisch und ……Schwedisch. So kommt man leicht zurecht.

Helsinki

Neoklassizistische und Jugendstil-Gebäude säumen die Esplanade, die heute eine prächtige Einkaufstraße ist. Beim ersten Versuch einen mobilen Router zu erstehen, werden wir an den R-Kioski verwiesen. Diese R-Kioskis bieten alles was man so braucht: einfache Speisen, Getränke aller Art, natürlich Zigaretten und eine große Auswahl elektrischer und elektronischer Geräte. Auch unseren Wunsch kann er erfüllen. Ab jetzt haben wir überall Zugang zum Internet.

 

 

 

Bienvenidos al Paraiso

Nach der Abfahrt am Morgen aus Valencia erreichen wir Cartagena. Das Navi schlägt uns wieder engste Gässchen vor und vom Meer ist noch weit und breit nichts zu sehen. Hektisch überprüfen wir unsere Eingabe. Alles entspricht den Angaben des Campingführers. Da plötzlich ein Wegweiser nach Portus. Vor uns liegt aber immer noch eine bergige Landschaft. Unvorstellbar, daß nur noch wenige Kilometer zwischen uns und dem Meer sein sollen. Nach kurzer Zeit eröffnen die Berge den Blick in ein Tal und wir sehen das Meer und das Portal zum „Camping Naturista El Portus“, der uns mit den Worten Bienvenidos al Paraiso begrüßt.

Schon vor der Abreise hatten wir große Erwartungen an unser Winterquartier. Im Internet ließ der Platz keine Wünsche offen. Tatsächlich entspricht alles unseren Vorstellungen. Wir finden eine Parzelle in der zweiten Reihe zum Meer. Wir sind glücklich. Unsere Nachbarn begrüßen uns herzlich und bieten uns ihre Hilfe und Erfahrung an. Viele sind jeden Winter hier, schon seit mehr als 10 Jahren. Bei Temperaturen von aktuell 20° C Luft und 19° C Wasser vergisst man leicht den Winter in Deutschland.

Allerdings leben wir hier nicht nur wie im Paradies und, obwohl wir uns hüten einen Apfel zu essen, sind wir los reclusos del barranco, die Gefangenen der Schlucht. Allen Unbillen der Natur ausgeliefert.

Valencia, otra ves

Valencia, die drittgrößte Stadt Spaniens, liegt an der Mündung des Rio Turio am Rande der Huerta und ist bekannt durch seine Orangenplantagen und den Reisanbau. Gegründet von den Römern, danach Teil des osmanischen Kalifats und zurückerobert erstmals durch El Cid im 11. Jahrhundert.

Anfahrt Freitag nachmittags im Wochenendverkehr mitten durch Valencia und über sechsspurige Straßen. Im Kreisverkehr sucht sich jeder den kürzesten Weg. An einer roten Ampel versucht ein Jongleur mit seinen Kunststücken Dineros von den Autofahrern zu ergattern. Auch wir werden durch einen leicht zu erreichenden Campingplatz belohnt. Im subtropischen Dschungel finden wir einen schönen Unterschlupf.

Der Weg in die Stadt mit öffentlichem Bus führt uns vorbei an den futuristischen Gebäuden der „Ciutat de les Arts i de les Ciències“ und am „Palau de la Musica“, Valencias berühmter Konzerthalle.

Es ist unser 2. Aufenthalt in Valencia. Vor mehreren Jahren haben wir hier ein langes Wochenende verbracht. Unser Besuch beschränkt sich dieses Mal auf das Viertel um die Markthalle.

Der Mercado Central befindet sich in einem Jugendstilgebäude aus Eisen und Glas, eröffnet 1928, und gilt bis heute als eine der größten und schönsten Markthallen Europas. An über 300 Ständen werden die Köstlichkeiten Spaniens angeboten. Beeindruckend ist das Angebot an Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Fisch. Den Versuchungen eines Tortillastandes können wir nicht wiederstehen. Bei einem Glas Wein genießen wir unterschiedliche Variationen.

Gegenüber der Markthalle liegt La Lonja, eine spätgotische Halle, die einst als Warenbörse diente. Groteske Wasserspeier blicken hämisch vom Dach des Gebäudes. Im Innern eine historische Wendeltreppe. Die hohe Halle im 1. Stock ziert ein Sternengewölbe, getragen von verwundenen Säulen. Je nach Blickwinkel wirkt der Steinboden unterschiedlich dreidimensional.

Ein Alabaster-Palast birgt das nationale Keramikmuseum. Neben zahlreichen prähistorischen, griechischen und römischen Keramiken sind auch moderne Exponate zu sehen.

Unseren Aufenthalt in Valencia beschließen wir mit einem (Sonn-)Tag am Meer. Wir flanieren die Allee entlang, genießen eine Paella Valenciana in der Sonne und den Rest des Tages am Strand.

 

Ein Tag in Cesaraugusta

Obwohl eine keltische Festung an der Stelle des heutigen Zaragozas lag, gab die spätere römische Siedlung Cesaraugusta der Stadt ihren Namen. Die Stadt am Ebro ist die Hauptstadt Aragóns und war 2008 Gastgeber der Expo. Zahlreiche Gebäude zeugen noch von diesem Ereignis.

Unser Interesse aber gilt der historischen Altstadt mit dem Mercado Central und den römischen  Siedlungsresten. Besonders beeindruckend war die Puente de Piedra, steinerne Brücke, die den Ebro überspannt. Ein kalter Wind pfeift uns hier entgegen. Mittag essen wir im Restaurant Imperial.  Außer uns haben keine nichtspanischen Touristen den Weg  hierher gefunden. Wolfgang geniesst Judias con Orejas (Bohneneintopf mit Schweinsohren) und Cabeza de Cordero Asado (ein halber gegrillter Lammkopf). Anita ist mit den Secretos de la Plancha (Geheimnisse vom Grill) nicht ganz zufrieden. Das Schweinefleisch ist kernig, zudem ist der Zuschnitt unbekannt.

Pilgergruppen, wohl auf dem Jacobsweg, grüßen uns mit ihrem blumengeschmückten Wanderstab nach ihrem Besuch der Basilica de Nuestra Senora de Pilar.

Der Rückweg führt uns durch enge Straßen und schmale Gässchen zu den Überresten des Römischen Theaters.

Zaragoza

Pamplona, auf den Spuren von Ernest Hemingway

Pamplona, die alte Hauptstadt von Navarra, ist bekannt für ihre Fiesta de San Fermin, die jedes Jahr Anfang Juli stattfindet. Ernest Hemingway hat in seinem ersten Roman  Fiesta  Eindrücke dieser Fiesta dargestellt. Noch heute ist diese Fiesta ein großer Anziehungspunkt. Die Stadt hat etwa 250 000 Bewohner, während der Fiesta tummeln sich über 1 000 000 Menschen auf den Plätzen und in den Gassen. Die sonst ruhige Stadt verwandelt sich dann in einen Hexenkessel.

Ein kalter Wind pfeift uns um die Ohren, als wir dem Weg des Encierro, dem Lauf der Stiere in die Arena, folgen. Er erinnert uns daran, daß es bereits November ist. In den Gassen sind die Gatter, die den Weg der Stiere begrenzen, deutlich zu sehen. Zu Zeiten der Fiesta laufen weißgekleidete Mozos den Stieren zur Arena voraus. Auch Wolfgang versucht sein Glück.

Vorbei am Hotel Perla gelangen wir letztendlich zur Stierkampfarena mit dem Denkmal zur Erinnerung an Hemingway und dem nach ihm benannten Weg.

In der Sonne, die uns am Plaza de Castillo in das Gesicht scheint, wärmen wir uns bei einem Glas Wein an den Tischen im Freien wieder auf. Ein Zieharmonikaspieler intoniert einen argentinischen Tango, was uns zum Tanzen reizt.

Enge Gassen, Arkaden, hohe Häuser mit Balkonen, Klassizismus und Jugendstil prägen das Stadtbild von Pamplona.

Hemingway war als armer Zeitungsreporter in den 1920er Jahren in Pamplona. Auch er rannte in weißer Kleidung mit einer roten Schärpe um die Hüfte den Stieren voraus. Ein Zimmer im Hotel Perla konnte er sich damals nicht leisten. Oftmals aber hielt er sich in der Lobby auf, um die hier abgestiegenen Gäste zu beobachten. Ein buntes Publikum forderte seine Aufmerksamkeit heraus: Matadores mit ihren Verehrerinnen, illustre Besucher aus allen Teilen der Welt. Erst bei späteren Besuchen wohnte auch er in diesem Hotel, aus dessen Fenstern man den Stierlauf beobachten kann. Das Zimmer 201 ist heute Museum. Weiter folgen wir Hemingway in die Bar Iruna an der Plaza de Castillo. Die letzten Arbeiten an seinem Roman vollbrachte Hemingway Jahre später in den österreichischen Alpen.

Die vereisten Scheiben unseres Autos am nächsten Morgen und die Wettervorhersage lassen uns vorzeitig in Richtung Süden fliehen.