Vier Jahre Leben auf Achse

Es war klar, mit Beginn unseres Rentnerdaseins werden wir etwas ganz anderes tun. Eine Reise durch Spanien machen zu können, das haben wir uns schon länger gewünscht. Die Voraussetzung dafür aber war die Aufgabe unserer großen Wohnung. Drei Monate waren für die Auflösung vorgesehen. Im elterlichen Haus finden wir eine neue Bleibe, aber hauptsächlich leben und reisen wir seitdem in unserem Wohnwagen. Inzwischen sind wir in das Haus eines Freundes umgezogen.

Bevor wir aber wie Landstreicher oder Vagabunden durch Europa ziehen, lassen wir uns noch von unserer Friseurin Haar- und Bartschnitt mit einem elektrischen Schneidegerät zeigen. Zum Glück, denn sprachliche Barrieren oder modische Eigenheiten einiger Friseurgeschäfte machen den partnerschaftlichen Haarschnitt notwendig. Und bei einer Fete mit Spanferkel und Lamm vom Grill nehmen wir Abschied von unseren Freunden.

Der herannahende Sommer, der in Spanien ziemlich heiß werden kann und auf jeden Fall viele Sommerurlauber anlockt, hat uns zu einem „kleinen“ Umweg veranlasst. Über das Baltikum führt uns der Weg nach Finnland, hoch bis über den Polarkreis. Von hier aus machen wir einen kurzen Abstecher ohne Wohnwagen zum Nordkap. Wie versprochen hissen wir dort die DGB-Fahne.

Schweden erreichen wir über den Romanjeki. Vor hundert Jahren überquerte ein gewisser Lenin auf seiner Eisenbahnfahrt nach Rußland diesen Fluß im Winter mit Schlitten in entgegengesetzter Richtung.

Nach ein paar Tagen an der schwedischen Riviera und im Fjäll geht es über einen unbewachten Grenzübergang nach Norwegen. Der Scheitelpunkt dieser Reise ist jetzt erreicht.

Trondheim und die Trollstiegen, der Geiranger Fjord und Bergen sind Stationen auf der Fahrt durch Norwegen. Über die Hardanger Vidda fahren wir zur Fähre nach Oslo, die uns nach Dänemark bringt.

Der letzte Halt auf der Reise durch den Norden ist Braestrup und der Besuch eines Mittelaltermarkts in Horsens.

In St. Peter-Ording wollen wir nochmal in der Nordsee baden. Nicht ganz einfach, denn selbst bei Flut ist das Meer hinter dem Campingplatz nur kniehoch.

Strand in SPO

Nach kurzem Aufenthalt in unserer alten Heimat und im Schwarzwald geht endlich die Reise nach Spanien los. Kleine Verschnaufpausen gönnen wir uns in Frankreich in Besancon, in Argentat an der Dordogne und in Bordeaux.

Über San Sebastian, Pamplona, Zaragoza und Valencia erreichen wir im November unser Traumziel und Winterquartier El Portus in der Nähe von Cartagena. Mit den Worten „Willkommen im Paradies“ werden wir am Eingang begrüßt.

Seither haben wir mehrfach den Süden Spaniens und auch Portugal bereist. Die Reise durch Spaniens Norden ist uns bisher leider verwehrt worden. Auch wir mussten Corona unseren Tribut zollen. Den kalten, langen und schneereichen Winter haben wir in Deutschland verbracht.

Ursprünglich wollten wir nur 1 bis 2 Jahre im Wohnwagen verbringen. Inzwischen sind es mehr als 4 Jahre und noch weitere werden folgen. Natürlich ist das Leben im Wohnwagen eine Herausforderung, die Enge erfordert Geduld und Respekt. Tägliche Arbeiten müssen konsequenter erledigt werden. Von Beziehungskrisen haben wir uns verschont.

Lebensbedrohliche Situationen im Straßenverkehr oder durch Kriminalität haben wir nicht erlebt, trotzdem ist das Leben „auf Achse“ immer ein Abenteuer. Täglich muß man sich auf neue, unerwartete Situationen einstellen können. So haben wir in Bergen keine Fähre nach Dänemark buchen können und in Portugal mussten wir uns mit dem Streik der Busfahrer und der Gefahrguttransporteure zurechtfinden. Kraftstoffe wurden knapp.

Viele nette Menschen haben wir auf unserer Reise kennengelernt. Ob mit Norwegern am Lagerfeuer in Schweden oder beim Tangotanzen im Baltikum und in Skandinavien. Und natürlich auch in El Portus beim internationalen Picknick, zu dem jeder mit einem typischen Essen aus seiner Heimat beitrug. Eine schöne Erinnerung an die Tatsache: jeder ist Ausländer, fast überall.

Beschämend für uns ist, in fast jedem Land, das wir bereisten, wurden wir mit den Greueltaten der faschistischen deutschen Wehrmacht und der SS konfrontiert. Diese schrecklichen Verbrechen im Zeichen des Hakenkreuzes dürfen nicht vergessen werden.

Für uns ist klar, NIE WIEDER FASCHISMUS, NIE WIEDER KRIEG

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