Camping & Corona

Camping in El Portús & Corona, Chronologie der Ereignisse

Nach 4 Monaten im Winterquartier in El Portùs wird es Zeit, unsere Zelte abzubrechen und neue Ziele anzusteuern. Das Tangofestival vom 17. bis 22. März in Granada wollen wir besuchen. In La Zubia haben wir uns deshalb bereits einen Stellplatz für 9 Tage reserviert und die Anzahlung geleistet. Zu der Zeit toben die Coronaviren bereits heftig in Madrid. Die Region Murcia und auch der Bezirk Granada sind, warum auch immer, von der Corona-Pandemie bisher verschont. So ändert sich dies jetzt plötzlich. Am Wochenende 7./8. März tritt der 1. Fall in Murcia auf. Um eine Ansteckung zu vermeiden, nehmen wir dieses Jahr an der Manifestacion zum Internationalen Frauentag nicht teil. Kritisch betrachten wir im Newsletter der Tageszeitung La Verdad de Murcia und RTVE die weitere Entwicklung der Erkrankungen in unserer Nähe.

Obwohl wir am Mittwoch 11.3. früher aufgestanden sind, beschliessen wir, unsere Reisevorbereitungen abzubrechen und das Vorzelt stehen zu lassen. Den Aufenthalt in Granada sagen wir schriftlich ab, weil uns der Campingplatz hier sicherer erscheint. Am selben Tag erhalten wir die Bestätigung der Absage und grosszügig unsere Anzahlung zurück.

Auf unserem Platz reisen die ersten Camper ab. Die Gerüchteküche kocht über. Was passiert mit denen, die gerne noch länger bleiben wollen?

In den Nachrichten wird eine Erklärung der spanischen Regierung angekündigt. Es wird der Alarmzustand des Staates, eine Vorstufe des Notstandes, ausgerufen. Er gilt ab Montag, 16.3. bis 29.3.2020. In Cartagena und Umgebung sind bereits ab Freitag, 13.3. alle Restaurants und Bars geschlossen. Veranstaltungen werden in ganz Spanien abgesagt, sogar die Prozessionen in der Semana Santa, Karwoche. Bis auf Lebensmittelgeschäfte, Apotheken bleiben fast alle anderen Läden geschlossen.

Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen am Samstag noch einmal groß ein. Zum Glück sind die Geschäfte für Telekommunikation nicht von der Schliessung betroffen und so können wir unseren mobilen Router noch einmal aufladen. Im Supermarkt hamstern auch wir eingeschweisstes Frischfleisch, Konserven und frisches Gemüse. Dabei stellen wir fest, dass die Kühlregale der Metzgerei-Abteilung leer gekauft sind. Vor der Frischfleischtheke bewegt sich nur langsam eine Schlange Wartender, die lautstark die richtige Reihenfolge verteidigen. Nur wenige Einkaufswagen tragen „Hamster“-Merkmale.

Am Montag 16.3. sehen wir, dass der Zugang zu einem Dauercamper-Platz mit einem blau-weissen Absperrband der lokalen Polizei markiert ist. Trotz unserer Anfrage gibt die Rezeption des Campings keine Stellungnahme ab. Nach 2 Tagen ist das Band entfernt.

Gravierende Veränderungen treten ein. Der Kinderspielplatz, das Petanque-Feld und der Zugang zum Strand werden gesperrt. Ein Sanitärgebäude wird „für Renovierungsarbeiten“ geschlossen. Das Radioprogramm unseres öffentlich-rechtlichen Senders, Radio tres, ändert sich radikal. Keine Redebeiträge, nur noch ungewohnte Musik schallt aus dem Kofferradio.

Nach Rücksprache mit unserem Vereinsvorsitzenden können wir unseren Wohnwagen jederzeit auf unserem Stellplatz in Baden-Württemberg abstellen und dort wohnen. Trotzdem warten wir noch ab.

Mit Schreiben vom 19.3. teilt die Direktion des Campingplatzes mit, dass der Campingplatz und 2 Sanitär-Anlagen geöffnet bleiben, es sei denn, dass durch eine behördliche Anordnung die Schliessung erforderlich wird. Falls die Waschräume geschlossen werden müssen, dürfen nur noch die Gäste bleiben, die über vollständige sanitäre Einrichtungen (Waschbecken, WC und Dusche) im Wohnwagen/Wohnmobil verfügen. Personen, die mit dem Flugzeug in Ihre Heimatländer zurückkehren wollen, können das Fahrzeug ohne weitere Gebühr auf der Parzelle stehen lassen. Gleichzeitig werden für den Zeitraum des Alarmzustandes sehr günstige Übernachtungen in Mobilheimen angeboten.

Um dem befürchteten Ansturm zuvorzukommen reservieren wir noch am selben Tag telefonisch ein Mobilheim Modell A. Bei Abholung des Schlüssels bekommen wir eine Aufenthaltskarte ausgehändigt. Und ein weiteres Schreiben, in dem mitgeteilt wird, dass die Sanitäreinrichtungen am selben Tag ab 21 Uhr geschlossen werden. Nur der Zugang zu den Waschmaschinen ist weiterhin möglich. Unsere Freunde Maik und Ellen reisen spontan ab. Jeden Abend teilen sie uns telefonisch ihr Weiterkommen mit.

Ausgangssperre

Die Abreisewelle erreicht ihren Höhepunkt. Unser holländischer Nachbar Willem ist verärgert, hat er doch erst vor wenigen Tagen die Jahresgebühr für seinen Stellplatz bezahlt. Seine geplanten Flüge nach Holland wurden gecancelt. So bleibt ihm und seiner Frau nur die Rückkehr in ihrem Kleinwagen.

In einer weiteren Verordnung der spanischen Regierung wird die Schliessung aller Campingplätze und Hotels innerhalb einer Woche angekündigt. So die Mitteilung bei RTVE. Im Originaltext können wir aber nachlesen, dass Langzeit- oder Saisonaufenthalte in Einrichtungen mit eigenen sanitären Anlagen weiterhin möglich sind.

Das angemietete Mobilheim ist für uns zu klein. Auch wir beschliessen nun nach Hause zu fahren. Trotz Regen räumen wir das Vorzelt aus, schlagen es am nächsten Tag ab und packen das Auto. Nach getaner Arbeit lesen wir unsere eingegangenen E-Mails. Der Vorstand unseres Campingplatzvereins teilt in einem Rundschreiben mit, dass die baden-württembergische Landesregierung verfügt hat, dass ab sofort bis zum 19.4. alle öffentlichen und ebenso alle privaten Campingplätze geschlossen bleiben müssen. Nun können wir nicht mehr nach Hause. Jetzt sind wir Gefangene der Schlucht.

In der Rezeption erkundigen wir uns nach einem grösseren Bungalow. Es gibt noch freie Objekte und wir ziehen nach vorheriger Besichtigung um. Der neue Bungalow bietet mehr Platz. So können wir es aushalten. In Spanien wird nun die Ausgangssperre bis 11.4. verlängert.

Mittlerweile verwandelt sich das Restaurant in einen Supermarkt. Frische Speisen werden auf Bestellung zum Mitnehmen zubereitet. Um das Risiko einer Ansteckung der verbliebenen Gäste und Dauercamper zu verringern, wird ein Einkaufservice angeboten.

Wir machen von den Angeboten gebrauch. Seit über 3 Wochen haben wir den Campingplatz nicht mehr verlassen. Wir halten Abstand und fühlen uns sicher. Sind wir doch noch immer in einer Region, die im Vergleich sehr geringe Fallzahlen ausweist. Wir hoffen, bis zum Ende des Alarmzustandes hier bleiben zu können. Wir halten uns an die Aufforderungen unseres Radiosenders und des spanischen Fernsehens: Quedate en casa, bleib zuhause!

Nach neuesten Informationen denkt die spanische Regierung über die Verlängerung der Ausgangssperre bis zum 26.4. nach, aber was kann schöner sein als Ausgangssperre in EL PARAÍSO.

4 Gedanken zu „Camping in El Portús & Corona, Chronologie der Ereignisse“

    1. Danke Joachim, für den guten Rat, aber so einfach war es dann doch nicht. Nach 9 Wochen Quarantäne auf dem Campingplatz sind wir jetzt wieder in Deutschland.
      Saludos
      ni besos, ni abrazos
      Wolfgang + Anita

  1. Schön zu hören, dass es auf dem Camping noch gut geht und ihr da bleiben dürft.
    Schöne Grüße von der schwäbischen Alb und bleibt gesund!
    Von den
    Nachbarn mit dem Zebra

    1. Danke für die Grüße und Wünsche aus der Heimat.
      Haltet durch und passt auf euch auf!
      Quedate en casa
      Die zwei Landstreicher

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