Riga, unterwegs mit dem „Minibus“

Ein preiswertes öffentliches Verkehrsmittel ist in Riga der Minibus. Von allen abgelegenen Vororten bringt er seine Passagiere für wenig Geld in die Innenstadt. Meist haben die Busse die Größe von Lieferwägen eines Stuttgarter Automobilherstellers. Ausgestattet mit 19 Sitz- und 5 Stehplätzen.

An unserer Haltestelle steigen wir in einen bereits gutbesetzten Bus ein. Auch wir müssen stehen, wie schon andere Fahrgäste. An jeder Haltestelle steigen weitere Leute ein aber nur selten jemand aus. Als wir im Zentrum von Riga ankommen sind im Bus alle Sitzplätze besetzt, im Gang drängen sich mit uns 15 Passagiere. Jeder ist froh, wenn er für beide Füße einen Platz auf dem Boden und eine Möglichkeit hat, sich mit der Hand festzuhalten.

Mit dem letzten Bus fahren wir kurz vor Mitternacht zurück. Der Fahrer kennt unsere Haltestelle nicht, obwohl sie auf seiner Strecke liegt. Durch den Hinweis eines Mitfahrers sind wir guter Hoffnung an unserem Ziel anzukommen.

Nur wenige Fahrgäste sind im Bus als der Fahrer ziemlich schnell durch die leeren Straßen brettert. In einer 2spurigen Einbahnstraße wird vor uns der Verkehr durch Warnbaken auf  auf die linke Spur geleitet. Ohne zu Bremsen fährt der Fahrer auf das Hindernis zu. Sieht er es nicht oder fährt absichtlich Geradeaus? Mit harten Schlägen prallen die Baken gegen das Fahrzeug. Ohne mit der Wimper zu zucken fährt der Wagenlenker weiter. Nur ein kurzer Blick in den Rückspiegel  ist ihm der Vorfall wert.

Ein junger Passagier führt einen für uns unverständlichen Wortwechsel mit dem Fahrer. Daraufhin biegt der Busfahrer hektisch in die nächste Querstraße ab und fährt zum Ort des Geschehens zurück. Dort steigt er rasch aus und kommt mit seinem Nummernschild in der Hand zurück. Bedenkenlos setzt er nun die Fahrt fort.

Nach kurzer Zeit wird das Fahrzeug langsamer und rollt am Straßenrand aus. Alle Fahrgäste sind entsetzt und verunsichert. Öl rinnt aus dem Motorraum auf die Straße. Eine Weiterfahrt mit diesem Wagen ist ausgeschlossen.  Zu keiner Zeit hat sich der Busfahrer um seine Fahrgäste besorgt gezeigt. Zum Glück wurde nur der Verkehr umgeleitet und hinter den Warnbaken befand sich weder eine Baustelle oder gar ein Graben.

Nun verlassen einige Fahrgäste den Bus und gehen zu Fuß weiter. Was sollen wir tun, zu unserer Haltestelle ist es noch sehr weit. Zwei russische Frauen haben ein Taxi bestellt und nehmen uns mit.

 

Litauische Speisekarten

Im nächsten Ort, nicht weit von unserem Stellplatz, soll es eine Gaststätte geben. Also los geht es. Hunger haben wir auch schon.

Das Lokal ist eine kleine Dorfkneipe und macht einen angenehmen Eindruck. Zwei Bier sind schnell bestellt. Frisch gezapft und kühl schmeckt es hervoragend. Ja, wir haben doch auch Hunger. Also, bitte die Speisekarte.

Wir schlagen die Speisekarte auf und verstehen garnichts. Natürlich ist die Speisekarte nur auf litauisch. Keine englischen oder gar deutsche Übersetzungen.

Was sollen wir bestellen? Die Wirtin versucht mit viel Worten und Gesten uns wohl ein Gericht schmackhaft zu machen. Natürlich spricht sie nicht deutsch und wir nicht litauisch. Englisch geht auch nicht. Mit einer Bekannten unterhält sie sich in russisch. Aber auch  karascho oder Schpassiba reicht bei weitem nicht. So kommen wir auch nicht weiter.

Wir sind verzweifelt. Was sollen wir bestellen. Da betritt ein weiterer Gast die Wirtschaft und setzt sich an einen Tisch neben den unsrigen. Er ist Deutscher . Er war mit einer Litauerin verheirat  und lebt hier in diesem Vorort von Klaipeda. Er kann uns die Speisekarte übersetzen.

Wir bestellen das litauische Nationalgericht, Zeppelinai. Das sind mit Fleisch gefüllte Klöße aus rohen Kartoffeln, geformt wie Zeppeline.  Schmeckt sehr gut, kann man ohne Bedenken weiter empfehlen. Nicht nur weil das Essen sehr preiswert war.

Am nächsten Tag in Klaipeda geht es schon besser. Die Speisekarte ist mehrsprachig. So fällt es uns leicht, kalte Rote Beete-Suppe und Krautwickel zu bestellen.

Das litauische Küche ist sehr traditionsbewusst, bodenständig und ländlich.

In Thüringer Wirtshäusern

Im Nebenort zu unserem Campingplatz bei Weimar wurde uns vom Campingplatzverwalter eine Gaststätte empfohlen, auf deren Speisekarte gute thüringische Hausmannskost steht. Die Wirtschaft ist gut besetzt, gerade noch können wir einen Tisch mit zwei Plätze ergattern. Die Einheimischen, die nach uns in die Gaststätte kamen, klopften zur Begrüßung auf jeden Tisch, egal ob Bekannte oder Unbekannte, Freunde oder Fremde am Tisch saßen. Über diese Willkommenskultur waren wir sehr glücklich.

Das Essen schmeckte ausgezeichnet und natürlich gab es zu den meisten Gerichten Kartoffelklöße und Rotkraut statt Nudeln oder gar Spätzle.