Tage der Ruhe im Menaus Slanis (Honigtal)

Nach dem angehäuften Programm der letzten Tage brauchen wir eine Verschnaufpause. Eine Zeltwiese in der Nähe der Nemunas (Memel) soll uns Ruhe bringen.

Für uns ist Entschleunigung angesagt. Wir freuen uns über den kehligen Gesang der Frösche, beobachten die Störche bei der Futtersuche, genießen den Jungfernflug der Maifliegen.

Abends kommen 1 – 2 Wohnmobile, ansonsten sind wir an unserem Platz unter den Birken allein.

In den kleinen Ortschaften der Umgebung sind Kirchen oder Burgen zu besichtigen. Alte, noch immer bewohnte Holzhäuser bewundern wir.

Stark strömend und ohne Schiffsverkehr zieht die Nemunas dahin.  Kein Deich begrenzt im weiten Tal ihren Weg. Im weiteren Verlauf bildet sie die Staatsgrenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Wenige Angler versuchen ihr Glück. Kleine Fische sind ihre Beute.

Kaunas, die ehemalige Hauptstadt, besichtigen wir. Beeindruckend die Altstadt mit ihren alten Häusern, Dächern und Zinnen. Über unebenes Kopfsteinpflaster suchen wir unseren Weg.

Nach weiteren Tagen der Ruhe sind wir auf neue Ziele gespannt.

 

Es ist Sommer

Die Temperatur ist angestiegen. Es ist Sommer. Mann und Frau wandelt in luftiger Sommerkleidung durch die Straßen. Männer im T-shirt und kurzen Hosen, Frauen in dünnen Sommerkleidern. Ganz Klaipeda ist unterwegs. Wir genießen das schöne Wetter in der Gartenwirtschaft und schauen dem bunten Treiben zu. Baden im Meer ist angesagt. Auch wir wagen den Sprung ins Wasser, obwohl die Ostsee nur 15 – 16° C warm ist.

Palanga, die Seebrücke und das Bernsteinmuseum

Palanga lockt mit seiner modänen Flaniermeile und seiner Seebrücke. Der litauische Bade- und Kurort liegt nur wenige Kilometer nördlich von Klaipedea am Ostseestrand. Im Reiseführer wird Palanga mit Sotschi auf der Krim verglichen.

Die Flaniermeile erweist sich als breite Straße, aufgeteilt in Bereiche für Fußgänger, Fahradfahrer und weiterer Verkehr. Ein besonderes Flair ist nicht zu verspüren. Die anliegenden Geschäfte beschränken sich auf den Verkauf von Souvenirs oder Utensilien zum Baden im Meer. Das Angebot der Restaurants reicht von armenischen Grillspezalitäten bis Pitsa. Nur eine Gaststätte lädt ein zum Menue mit frisch gefangenem Dorsch, ein frisches Fischgericht aus hiesigen Gewässern. Nicht gerade preiswert, aber schmackhaft.

Die Seebrücke über dem Deich hat eine imposante Größe, weit ragt sie ins Meer hinaus. Gleich hinter dem Deich befinden sich Reihen mit Sitzbänken, die einen guten und erholsamen Ausblick auf die Brücke bieten. Über Sotschi auf der Krim können wir kein Urteil fällen, aber wir kennen den polnischen Badeort Sopot, damit kann Palanga jedenfalls nicht konkurrieren. Trotz des schönen Neptunbrunnen vor dem Deich.

Das Bernsteinmuseum befindet sich in einem alten Schloß. Ein großzügiger Park umgibt das Gebäude. Im Inneren werden eindrucksvolle Bernsteine der unterschiedlichsten Größen und Arten gezeigt. Mit Lupen werden die Einschlüsse vergrößert und in ihrer Schönheit oder Skurilität dargestellt.

 

Der Besuch der Kurischen Nehrung

Die Eiszeit hinterließ eine Kette von kleinen Inseln entlang der Küste zwischen Klaipeda und Kaliningrad. Der Sage nach lebte dort ein schönes Mädchen. Sie hieß Neringa und wuchs zur Riesin heran. Sie half den Fischern und trieb die Fische in ihre Netze. Und als der Meeresgott „Wellenbläser“ die Inseln mit Stürmen bedrohte, schüttete sie soviel Sand zwischen die Inseln, bis sie miteinander verbunden und die Dünen hoch genug waren, um die stürmische See aufzuhalten. Damit nicht genug, sie sorgte auch dafür, daß das Haff fischreich war. Um dieses empfindliche ökologische System aufrecht zu erhalten, werden heute große Anstrengungen unternommen.

Um auf die Kurische Nehrung zu gelangen, muß man mit der Fähre von Klaipeda übersetzen.

Ein Spaziergang durch die „Toten Dünen“ zeigt uns den bunten Teppich der Planzenwelt, die seltene Insektenarten beherbergt.

 

Im Wald nahe dem alten Kurort Juodkrante machen wir auch kurz halt. Wir gehen zum „Reiherberg“ um den Reihern und Kormoranen in die Nester zu schauen. Jährlich brüten hier mehr als 6000 Vögel  lärmend und verwandeln die Bäume in weißes, garderobenähnliches, nadel- und blattloses Gestänge .

 

Ein kleines Völkerkundemuseum in Nida ist unser letztes Ziel auf der Nehrung. In einem der Fischerhäuser zeigt sich, wie die Fischer früher dort lebten. Ein Kurenkahn und verschiedene Kurenkahnwimpel stehen im Garten. Die geschnitzten Wimpel wurden Mitte des 19. Jahrhunderts zur Fischereiberechtigung und Fangquotenkontrolle eingesetzt. Jeder Fischer mußte diese hölzerne Flagge in den Farben des Ortes, in dem er lebte, auf dem Boot mit sich führen, damit er identifiziert werden konnte. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hat man so der Verminderung des Fischbestandes entgegengewirkt. Heute darf im Haff von April bis September gar nicht mehr gefischt werden.

Auch viele Künstler besuchten die Nehrung und ließen sich von der Ruhe der Landschaft inspirieren. Unter anderen weilten hier Wilhelm von Humboldt, Thomas Mann, Max Pechstein und Marie Luise Kaschnitz, um nur einige zu nennen.

„Wer blöden Augs vorüber zaht, der schaut hier nichts als Sand, doch wess’n Herz die Schönheit glukt, dem dünkts ein Wunderland.“

Diese Worte eines Malers beschreiben das Gesehene eindrücklich.

 

 

 

Klaipeda, ein Stadtrundgang

Klaipeda, das frühere Memel, war über Jahrhunderte von unterschiedlichsten Kulturen geprägt. Neben Litauern und Deutschen trugen Juden und auch Engländer zum Völkergemisch bei. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Stadt in Klaipeda umbenannt – so hieß im 9. Jahrhundert die erste baltische Siedlung an dieser Stelle.

Unser Gang durch die Stadt beginnt an der Markthalle. Bekleidung von Kopf bis Fuß und darunter, Obst, Gemüse und Setzlinge werden hier ebenso angeboten wie Werkzeuge und Haushaltwaren. Im Inneren gibt es frisches Fleisch aller Art und Schnittblumen zu kaufen.

 

Die Fassaden im Jugendstil sind beeindruckend.

Eine Kutscherin lädt uns mit knallender Peitsche zu einer Fiakerfahrt ein. Die Fahrt führt uns über stark befahrene Straßen mit  Kreuzungen und Ampeln zum Skulpturenpark. Zu sehen sind dort über 100 Skulpturen zeitgenössischer,  litauischer Künstler und es werden immer mehr, denn als Zeichen der Verständigung und Versöhnung veranstaltet die Stadt Klaipeda alljährlich ein Skulpturensymposium. Sicher führt uns unsere Wagenlenkerin zum Theaterplatz zurück.

 

Neben dem Brunnen mit der bronzenen Figur des Ännchen von Tharau, dem Wahrzeichen der Stadt, bieten Kunsthandwerker ihre Waren zum Verkauf an.

Beim Spaziergang am Ufer der Dane zeigen die Speicher und Fachwerkhäuser, die nach und nach wieder instand gesetzt werden, daß hier früher reiche Kaufleute gelebt haben müssen.

Plätze mit Fliederbüschen, Ball spielende Kinder, enge Gassen mit Kopfsteinpflaster – vielerorts in Klaipeda scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die alte Hafenstadt strahlt immer noch eine gewisse Ruhe aus.

Litauische Speisekarten

Im nächsten Ort, nicht weit von unserem Stellplatz, soll es eine Gaststätte geben. Also los geht es. Hunger haben wir auch schon.

Das Lokal ist eine kleine Dorfkneipe und macht einen angenehmen Eindruck. Zwei Bier sind schnell bestellt. Frisch gezapft und kühl schmeckt es hervoragend. Ja, wir haben doch auch Hunger. Also, bitte die Speisekarte.

Wir schlagen die Speisekarte auf und verstehen garnichts. Natürlich ist die Speisekarte nur auf litauisch. Keine englischen oder gar deutsche Übersetzungen.

Was sollen wir bestellen? Die Wirtin versucht mit viel Worten und Gesten uns wohl ein Gericht schmackhaft zu machen. Natürlich spricht sie nicht deutsch und wir nicht litauisch. Englisch geht auch nicht. Mit einer Bekannten unterhält sie sich in russisch. Aber auch  karascho oder Schpassiba reicht bei weitem nicht. So kommen wir auch nicht weiter.

Wir sind verzweifelt. Was sollen wir bestellen. Da betritt ein weiterer Gast die Wirtschaft und setzt sich an einen Tisch neben den unsrigen. Er ist Deutscher . Er war mit einer Litauerin verheirat  und lebt hier in diesem Vorort von Klaipeda. Er kann uns die Speisekarte übersetzen.

Wir bestellen das litauische Nationalgericht, Zeppelinai. Das sind mit Fleisch gefüllte Klöße aus rohen Kartoffeln, geformt wie Zeppeline.  Schmeckt sehr gut, kann man ohne Bedenken weiter empfehlen. Nicht nur weil das Essen sehr preiswert war.

Am nächsten Tag in Klaipeda geht es schon besser. Die Speisekarte ist mehrsprachig. So fällt es uns leicht, kalte Rote Beete-Suppe und Krautwickel zu bestellen.

Das litauische Küche ist sehr traditionsbewusst, bodenständig und ländlich.

Durch die rush-hour in Klaipeda zum ersten Campingplatz in Litauen

Ja, kaum ist der Schreck mit dem Rückwärtsfahren überwunden, kommt schon die nächste Herausforderung, in der rush-hour durch Klaipeda.

Mit langen Staus vor Verkehrsampeln und Kreuzungen und …. dreispurigen Kreisverkehren. Jenachdem mit welcher Ausfahrt man den Kreisel verlassen will, muss man sich rechtzeitig einordnen.

Natürlich haben alle Spuren im Kreisverkehr Vorfahrt. Zu weit rechts eingeordnet und man ist an der ersten Ausfahrt wieder draussen. Aber die Litauer sind rücksichtsvolle Autofahrer, sie ermöglichen einem ausländischem Gespann großzügig schnelle Spurwechsel. Trotzdem bleibt, auch nach vier oder fünf Kreisverkehren, die Anspannung.

Endlich auf der Autobahn nach Palanga. Unser Navi hat die eingegebene Adresse nicht akzeptiert, aber wir wissen  unser erster Campingplatz muss neben dieser Autobahn liegen.

Kurz zeigt uns ein Vehrkehrschild, die von uns gewählte Ausfahrt befindet  sich an der uns entgegen kommenden Spur. Wir müssen also auf einer vierspurigen Autobahn wenden und bis zur Ausfahrt zurück fahren. Wie soll das gehen? Ganz einfach, man muss sich ganz links einordnen und bis zur nächsten Wendespur weiterfahren. Natürlich muss man beim Einordnen auf der Gegenspur auf den Verkehr achten.

Auch diese ersten Erfahrungen mit litauischen Autobahnen  haben wir gemeistert.  Der Storch in seinem Nest auf dem Strommast hat zwar zuerst etwas verwundert geschaut, aber uns dann doch mit seinem Geschnatter begrüßt. So ist der Campingplatz im (Vor-)Garten eines großen Hauses  nun schnell erreicht. Wir stehen alleine, das Grundstück ist weder umzäumt noch abschliessbar.

Auf der Fähre von Kiel nach Klaipeda

Am nächsten Tag ist die Fähre nach Klaipeda leicht erreicht. Eine schöne Außenkabine direkt unter der Brücke ist für uns reserviert und wir freuen uns auf das Essen. Die lange Überfahrt (20 Std.) wollen wir dazu nutzen an unserem „Blog“ zu arbeiten. WLAN ist versprochen. Aber leider ist die Kapazität so gering, daß für uns zu wenig übrig bleibt. Also Laptop einpacken und ein Bier trinken.

Kapitono

Am Morgen danach dann die Ernüchterung: man muß rückwärts von der Fähre herunterfahren.

Fährenplan

In Thüringer Wirtshäusern

Im Nebenort zu unserem Campingplatz bei Weimar wurde uns vom Campingplatzverwalter eine Gaststätte empfohlen, auf deren Speisekarte gute thüringische Hausmannskost steht. Die Wirtschaft ist gut besetzt, gerade noch können wir einen Tisch mit zwei Plätze ergattern. Die Einheimischen, die nach uns in die Gaststätte kamen, klopften zur Begrüßung auf jeden Tisch, egal ob Bekannte oder Unbekannte, Freunde oder Fremde am Tisch saßen. Über diese Willkommenskultur waren wir sehr glücklich.

Das Essen schmeckte ausgezeichnet und natürlich gab es zu den meisten Gerichten Kartoffelklöße und Rotkraut statt Nudeln oder gar Spätzle.